Eulenberg & Nauberg

Unter der Oberfläche - Makrophytenuntersuchung zweier Basalt-Steinbruchseen

  • Abb. 1: Krauses Laichkraut
    Abb. 1: Krauses Laichkraut
  • Abb. 2: Gebirgsstelze
    Abb. 2: Gebirgsstelze

Zum typischen Erscheinungsbild eines außer Betrieb genommenen Basaltsteinbruchs im Westerwald gehört oft auch ein größeres, mehrere Meter tiefes Gewässer. Die Basalte als magmatische Gesteine entstanden im Tertiär vor rund 25 Millionen Jahren, als der Westerwald und die Eifel von einem ausgedehnten Vulkanismus geprägt waren mit mehreren Hundert Vulkanen. In der ersten Phase der vulkanischen Aktivität wurden vor allem lockere Tuffe ausgestoßen und abgelagert, über und in die sich dann im Anschluss die Basaltlava ausgebreitet hat. Die Tuffe neigen zu starker Verwitterung und bilden dabei wasserundurchlässige Tone, sodass Steinbruchkessel im Basalt oft zu den Seiten und nach unten abgedichtet sind. Nach Einstellung des Abbaus stauen sich daher Niederschlagswasser oder Grundwasser an und bilden die Tagebauseen. Im Rahmen eines zweitägigen Spezialkurses „Tauchen für den Naturschutz“, eine Kooperation vom NABU (Naturschutzbund – Deutschland) und VDST (Verband Deutscher Sporttaucher), wurden mit der notwendigen Genehmigung der Eigentümer, zwei Basalt- Tagebauseen im Westerwald von Kursteilnehmern des Tauchclubs Xarifa e. V. aus Eitorf/Sieg betaucht. Die Teilnehmer*innen hatten zuvor die verschiedenen Gewässertypen stehender Gewässer, ihre darin enthaltenen lebensraumtypischen Arten sowie die verschiedenen Störanzeiger kennengelernt. Nun sollten sie auf Grundlage dieser Kriterien und weiterer Parameter das Gewässer beurteilen und das darin enthaltene Arteninventar aufnehmen.

Der Steinbruchsee Eulenberg

Abb. 3: Der ehemalige Steinbruch Eulenberg

Der Steinbruch liegt in Nordrhein-Westfalen nahe an der Grenze zu Rheinland-Pfalz im Naturschutzgebiet „Eulenberg“ (Abb. 3). Das ca. 16,5 ha große Naturschutzgebiet grenzt südlich an die Ortschaften Eulenberg und nördlich an Scheuren.

Der See, der seine Entstehung einem bereits im 19. Jahrhundert begonnenen Basaltabbau zu verdanken hat und bis 1975 als Steinbruch betrieben wurde, diente von 1983–1989 als Forellenzucht. Die durch den Zuchtbetrieb starke Anreicherung des Gewässers mit Nährstoffen sowie die Überlegungen, den Basaltabbau wieder aufzunehmen, beendeten letztendlich die Forellenzucht.

Eigentümer des Steinbruchs ist inzwischen eine Naturschutzorganisation, die das Gelände von der Basalt AG erwarb. Seit 2008 ist das Gelände rund um den Steinbruch Naturschutzgebiet.

Abb. 4: Gelbbauchunke (Bombina variegata)
Abb. 5: Milzfarn (Asplenium ceterach)

Der Steinbruchsee hat eine Größe von ca. 100 x 120 m und ist ca. 18 m tief. Wie für viele Steinbrüche typisch, fällt auch hier das Ufer steil ab, was eine Besiedlung von Röhricht oder von schattenspendenden Büschen und Bäumen weitgehend unmöglich macht. Die steil nach oben ragenden Felswände außerhalb des kleinen Sees sind zerstreut besiedelt mit für diesen Lebensraum speziell angepassten Arten, die zum Teil recht selten und auch geschützt sind. Besonders erwähnenswert ist hier das Vorkommen des seltenen Milzfarns (Asplenium ceterach) (Abb. 5). An unzugänglicher Stelle soll nach Angaben des zuständigen Gebietsbetreuers auch ein Uhu-Pärchen nisten. Die auf dem Gelände befindlichen Kleinstgewässer bieten idealen Lebensraum für die besonders geschützte Gelbbauchunke (Bombina variegata) (Abb. 4).

Der Steinbruchsee Nauberg

Abb. 6: Russischer Bär
Abb. 7: Tagebausee am Nauberg

Von der Genese her handelt es sich bei dem Steinbruchsee um das größte von drei Gewässern, die durch Basaltabbau entstanden sind. Nach Auskunft der Basalt-AG wurden der Abbau und das Abpumpen von Wasser 2007 eingestellt.

Die Gesamtgröße des betauchten Sees beträgt knapp 2 ha. Der größte Teil seiner ca. 650 m langen Uferlinie fällt zur Gewässerseite hin recht steil ab und lässt wenig Raum für eine Besiedlung mit Röhricht / Wasserried.

Vereinzelt wachsen am Ufersaum 2–4 Meter hohe Erlen sowie verschiedene Weidenarten. Das Umland, zum größten Teil aus Abraum bestehend, wird im Rahmen der Renaturierung mit Laubwald aufgeforstet, das unmittelbare Umfeld des Gewässers ist mit Busch- und Strauchwerk und typisch terrestrischer Pioniervegetation besiedelt. Die Ränder des Steinbruchgeländes säumen größere Laub- und Nadelbäume.

Abb. 8: Zander

Tauchen im Rest-See

Abb. 9 & 10 Afrikanische Wasserpest (Lagarosiphon major)
Abb. 10

Beim Betauchen des Sees bietet sich folgendes Bild: Was allem Anschein nach wie die Kanadische oder eher Nuttalls Wasserpest (Elodea canadensis, E. nuttallii) aussah, und so wurde sie in der Vergangenheit auch kartiert, stellte sich beim genauen Hinsehen als Lagarosiphon major (Abb. 9 & 10) heraus. Diese Art, die mehrere deutsche Namen trägt (Wechselblättrige-, Afrikanische-, Krause Wasserpest oder auch Große Scheinwasserpest), ist ein Neophyt und wurde bis vor wenigen Jahren im Aquarienfachhandel legal angeboten. Mittlerweile ist der Handel mit dieser zu stärkeren Ausbreitung neigenden Art verboten.

Abb. 11: Flussbarsch
Abb. 12: Edelkrebs (Astacus astacus)

Sie ist derzeit die einzige Wasserpflanzenart in dem Gewässer. Die Fläche des an die Wasseroberfläche reichenden Bestandes beträgt ca. 40 qm. Unter der Wasseroberfläche ist der Bestand allerdings größer, besiedelt aber nur einen Bereich bis etwa 4 m Gewässertiefe. Wie diese Art in den See gelangt ist, kann nur vermutet werden. Eine weitere Ausbreitung dieser Art im Steinbruchsee ist nur begrenzt möglich, weil das Gelände unter Wasser sehr steil abfällt und es somit an flachen Stellen mangelt.

Die vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) herausgegebene Verbreitungskarte dieser Art weist für Rheinland-Pfalz und Bayern einige Fundorte auf. Für den Rhein-Sieg-Kreis war dies bislang nicht bekannt. Aus naturfachlicher Sicht wäre es sicherlich gut, die Große Scheinwasserpest aus dem Gewässer zu entfernen, um z. B. eine weitere Verbreitung durch Mensch und Tier in benachbarten Gewässern zu verhindern. Bestandsgröße und der damit verbundene Aufwand stehen allerdings diesen Überlegungen entgegen. Im Steinbruchsee sind neben Flussbarschen (Perca fluviatilis) und weiteren Fischarten auch Edelkrebse (Astacus astacus) (Abb. 12) vorhanden. Diese Art begegnete den Tauchern recht häufig. Das Gewässer mit Spalten, kleinen Höhlen und Geröllhalden ist für diese Flusskrebsart geradezu ideal geeignet.

Die bei anderen Gewässern übliche Einstufung und Bewertung nach NATURA 2000 ist hier nicht möglich. Gründe sind zum einen, dass außer der o. g. neophytischen Wasserpflanzenart keine lebensraumtypischen Arten gefunden wurden, die einem bestimmten Lebensraum-Typ nach NATURA 2000 zugeordnet werden kann. Zum anderen haben die Steinbruch- Gewässer aufgrund des abgebauten Materials unterschiedliche Ausprägungen. Bestands- und Wuchsgröße von der Großen Scheinwasserpest sowie leichte Ansätze von Grünalgen deuten bei dem Eulenberger Steinbruchsee auf ein schwach nährstoffreiches (eutrophes) Gewässer hin.

Ob das Gewässer im Verlauf der kommenden Jahre mit anderen Makrophyten besiedelt werden kann, bleibt abzuwarten. Viele Wasserpflanzenarten werden u. a. durch Wassergeflügel verbreitet. Die Steilwände des Steinbruchs sowie die Anwesenheit von Uhus dürften den Besuch der kleinen Wasserfläche mit fast keinem Flachufer für Wassergeflügel unattraktiv machen.

Abb. 13: Taucher des TC Xarifa beim Einstieg in den See
Abb. 14: Uhu

Tauchen im Nauberg-See

Abb. 15: Kursteilnehmer bei der Bestimmung und Herbarisierung der gefundenen Arten.
Abb. 16: Zander

Der kleine See vermittelt trotz seiner Entstehungsgeschichte einen relativ naturnahen Eindruck. Eine Nutzung als Angel- oder Freizeitgewässer ist nicht
erkennbar. Am Einstieg waren bereits im Flachwasser dichtere Bestände des Ährigen Tausendblatts (Myriophyllum spicatum) und Schwimmblätter des Schwimmenden Laichkrauts (Potamogeton natans) erkennbar. Der Wasserkörper war klar, und man konnte eine kleine Gruppe von Weißfischen beobachten, die im Flachwasser umher schwammen. Über der Wasseroberfläche tummelten sich einige Libellenarten. Der Steinbruchsee bildet mit dem Umland trotz seiner künstlichen Entstehung ein naturnahes Gewässer ab.

Die Makrophytenbestände (Wasserpflanzen) sind vielleicht auch wegen der geringen Gewässergröße sehr homogen. Es dominiert das Ährige Tausendblatt
(Abb. 19) mit einem Anteil von weit über 70 % der Gesamtvegetation. Die zweithäufigste Art ist da Schwimmende Laichkraut. Weitere Arten sind das Krause Laichkraut (Potamogeton crispus) (Abb. 18) mit einem Anteil von ca. 1 % und als einzelne Pflanze eine Glanzleuchteralge (Nitella opaca/flexilis c. f.).

Zwischen 3,5 und 3,9 m endete meist die Besiedelung. Lediglich ein Taucherteam konnte an einer Stelle die Untere Makrophytengrenze (UMG) von 4,3 m ermitteln. Die Gesamtdeckung (0–4,3 m) lag bei etwa 60 %. Das Substrat besteht vorwiegend aus mineralischem Material. Vereinzelt wurde im See Totholz in Form von kleinen Büschen und Bäumen gefunden, die allem Anschein nach bereits vor der Flutung auf dem Areal wuchsen.

Zwischen den Makrophyten konnte auch ein Zander (Sander lucioperca) (Abb. 16) beobachtet werden, der dort – obwohl eigentlich eher ein Bewohner des freien Wassers – als Raubfisch vielleicht auf die beim Einstieg beobachteten Weißfische lauert.

Als Biotop ist das Gewässer nach dem rheinlandpfälzischen Kartierschlüssel dem Biotoptyp FG2 (Abgrabungsgewässer – Festgestein) zuzuordnen. Eine Einstufung und Bewertung des Gewässers nach FFH–LRT gestaltet sich zum Teil recht schwierig. Das Gewässer ist kalkarm, kann aber aufgrund der vorgefundenen Arten nicht einem FFH-Lebensraumtyp 3130 (nährstoffarme bis mäßig nährstoffreiche, kalkarme Stillgewässer mit Strandlings- oder Zwergbinsen- Gesellschaften) zugeordnet werden. Das Ährige Tausendblatt und Schwimmblattpflanzen, dazu zählt das Schwimmende Laichkraut, wären bei einer höheren Nährstoffkonzentration (> 35 mg Phosphor / cbm) eine typische Art des Lebensraumtyps 3150 (natürliche und naturnahe nährstoffreiche
Stillgewässer mit Laichkraut- oder Froschbiss- Gesellschaften). Die Ausprägung (Wuchshöhe) dieser gefundenen Arten und das übrige Umland des Gewässers deuten aber auf eine deutlich geringere Nährstoffkonzentration hin und schließen somit auch diesen LRT aus.

Die gemittelte UMG = Untere Bewuchsgrenze lag bei 3,7 m und stellt für ein nährstoffarmes Gewässer einen schlechten Wert dar. Auch die Anzahl von lediglich drei Arten – die Einzelpflanze einer Glanzleuchteralge nicht mitgerechnet – ist für das Gewässer unerwartet niedrig. Wahrscheinlich ist, dass mangels Feinsediment mit organischem Anteil, die Entwicklung von Pflanzengesellschaften in einem Steinbruch wesentlich länger bedarf als es z. B. bei einer Kies- oder Sandabgrabung der Fall wäre.

Abb. 17: Geburtshelferkröte
Abb. 18: Krauses Laichkraut
Abb. 19: Ähriges Tausendblatt

Es bleibt Entwicklungspotenzial

Bei der Renaturierung von Steinbrüchen liegt der Fokus der Betreiber, der Planer und der Behörden in aller Regel auf den vielfältigen und typischen Landlebensräumen mit ihren Felswänden, Blockhalden und Rohböden; bei den Gewässern konzentriert man sich auf die flachen Kleingewässer als Lebensraum für die klassischen Steinbrucharten Gelbbauchunke, Kreuzkröte und Geburtshelferkröte.

Die größeren, tieferen Tagebauseen werden meist nicht weiter beachtet und sind kaum mehr als eine blaue Fläche im Rekultivierungsplan. Es gibt verschiedene nachvollziehbare Gründe für diese Tatsache – die Tagebauseen bilden sich von den Tiefsohlen der Steinbrüche aus und sind daher meist von steilen, hohen Abbauwänden eingerahmt. Die Möglichkeiten zur Gestaltung einer idealtypischen, flach abfallenden Uferzone sind daher von vornherein begrenzt. Auch ist die konkrete Höhe des künftigen Wasserspiegels nur schwer vorherzusagen, sodass bei Einstellung des Abbaus oft nicht klar ist, wo künftige Flachwasserzonen angelegt werden sollen. Es dauert oft lange, bis sich der Restsee vollständig gefüllt hat. Die Renaturierung des Tagebaugeländes ist dann schon abgeschlossen, und die planerischen sowie technischen Möglichkeiten zur weiteren Optimierung der Gewässer sind sehr eingeschränkt.

Es muss daher nicht unbedingt verwundern, dass unter der Oberfläche der Seen am Eulenberg und am Nauberg nur wenige Makrophyten zu finden waren. Zu betonen ist aber, dass sich unter Wasser ähnlich wie an Land bei geeigneten Voraussetzungen vielfältige Lebensräume entwickeln können, denen vor allem die Unterwasserpflanzen ihre Struktur geben. Die Bilder des Ährigen Tausendblatts und des Krausen Laichkrauts vom Nauberg vermitteln eine erste Vorstellung davon, wie stark dichte und ausgedehnte Bestände dieser und anderer Arten an einen Unterwasserwald erinnern können. Und sie zeigen auch, wie der ansonsten ungegliederte freie Wasserkörper auf einer vervielfachten Fläche nun Schutz- und Entwicklungsräume für z. B. Zooplankton, Insekten, Schnecken und Muscheln sowie für Fische und deren Nachwuchs bietet. Grund genug also, diesem besonderen Lebensraum mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Der Autor

Volker Krautkrämer

geb. 1951, Ausbilder „Taucher für den Naturschutz“, ist seit 1990 Sporttaucher. Hat knapp 20 Jahre lang nebenberuflich bei zwei Landschaftsplanungsbüros gearbeitet und dabei in tauchender Weise bundesweit Wasserpflanzen untersucht. Unterwasserfotograf, Nabu-Mitglied und Ausbilder für „Tauchen für den Naturschutz“. Mitautor von „Pflanzen im Süsswasser“ (Kosmos- Verlag), Autor von Artikeln in versch. Fachmagazinen.

Literatur

Volker Krautkrämer: Abb. 1, Abb. 4, Abb. 5 , Abb. 18 & Abb. 19

Adobe Stock: Abb. 2, Abb. 6, Abb. 8, Abb. 11, Abb. 14

Wolkenkratzer: Abb. 3

Basalt AG: Abb. 7

Willi Fortkort: Abb. 9, Abb. 10, Abb. 13 & Abb. 15

Kay Siegmund: Abb. 12 & Abb. 16