Zinst

Basaltbruch Zinst - Ein Mosaik

  • Abb. 1: Adulte Kreuzkröte mit charakteristischem Rückenstreifen
    Abb. 1: Adulte Kreuzkröte mit charakteristischem Rückenstreifen
  • Abb. 2: LBV-Schutzgebiet Basaltbruch Zinst
    Abb. 2: LBV-Schutzgebiet Basaltbruch Zinst

Das LBV-Schutzgebiet Basaltbruch Zinst (42 ha) liegt im Naturraum Hohes Fichtelgebirge an der Grenze zum Oberpfälzer Hügelland. Der ehemalige Steinbruch, seit 2005 nicht mehr in Betrieb, stellt die ehemals größte Abbaufläche im westlichen Landkreis Tirschenreuth dar.

Durch den Abbau von Basalt, der anschließenden Sukzession der Flächen und der exponierten Lage am Westrand des Fichtelgebirges ist ein Mosaik aus vielfältigen und unterschiedlichen Lebensräumen entstanden. Zahlreiche, teils gefährdete Tier- und Pflanzenarten finden hier ein wichtiges Rückzugsgebiet. Der Steinbruch weist einen hohen Anteil an naturnahen Kleingewässern auf, wodurch er besonders für Amphibien von großer Bedeutung ist: Eine landesweit bedeutsame Kreuzkrötenpopulation, aber auch Kammund Teichmolch haben in den zahlreichen permanenten und temporären Gewässern ihre Laichplätze. Darüber hinaus bietet der Steinbruch mit seinen felsigen Hangbereichen und Ruderalfluren vielen Reptilien- und Insektenarten eine Heimat. Erwähnenswert sind vor allem die überregional bedeutsamen Vorkommen der Blauflügeligen Sandschrecke und der Blauflügeligen Ödlandschrecke sowie die in Bayern stark gefährdete Pelzbiene. Aber auch zahlreiche gefährdete Vogelarten wie der Baumpieper, Bluthänfling und Flussregenpfeifer finden dank der hohen Strukturvielfalt wertvolle Brutund Nahrungshabitate.

Die Vielzahl unterschiedlicher Lebensraumtypen macht den Basaltbruch Zinst zu einem der naturschutzfachlich wertvollsten Lebensräume im westlichen Landkreis Tischenreuth. Er wurde daher mit angrenzenden Flächen 2012 vom Landesbund für Vogelschutz e. V. (LBV) erworben mit dem Ziel, das Gebiet dauerhaft für den Naturschutz zu sichern. Eine Beweidung mit Schafen und Ziegen hilft dabei, das Gebiet vor der Verbuschung zu bewahren.

Geologie Nördliche Oberpfalz

Der Zinster Basaltsteinbruch ist der übrig gebliebene Rest eines alten Vulkanschlots, der im Tertiär vermutlich zeitweise Magma gefördert hat. In der nördlichen Oberpfalz sind mehrere solcher Vulkanschlote bekannt. Sie sind vermutlich aufgrund der damals in der Region aktiven Störungszonen – die Fränkische Linie und die Linie Eger-Kemnath in Verlängerung des Egergrabens – entstanden. Bei etlichen ist das Magma vermutlich nie an der Erdoberfläche angekommen, sondern bereits auf dem Weg dorthin erkaltet. Diese Vulkanschlote wurden mit der Zeit durch Erosion freigelegt und sind aufgrund der langsamen Verwitterung des Basalts heute teils als kegelförmige Erhebungen in der Landschaft sichtbar. Auch der Zinster Steinbruch befindet sich auf einer Erhebung in der Landschaft. Der Basalt des Zinster Vulkans ist von vielen zentimeter- bis kinderfaustgroßen Knollen aus grünem, kleinkristallinem Olivin durchzogen, der relativ schnell an der Luft verwittert und durch Regen ausgespült wird und entsprechende Löcher hinterlässt. Teilweise befinden sich auch typische Basaltsäulen im Steinbruch.

Lebensräume Wasser & Gestrüpp

Abb. 3: Abbruchstufen und Stillgewässer in einem Teil des ehemaligen Steinbruchs. Drohnenaufnahme im Herbst

Auch heute sind die drei Abbauetagen des ehemaligen Steinbruchs noch erkennbar (Abb. 3). Unterhalb der Steilwände zwischen den Abbauetagen haben sich durch Verwitterung grobe Blockschutthalden gebildet – die Wände werden mit der Zeit immer flacher. Zwischen den großen Blöcken bieten viele Spalten und Höhlungen verschiedensten Tieren zahlreiche Versteckmöglichkeiten. Kleinräumig existieren im Gelände aufgrund der Abbaumaßnahmen und teilweisen Bodenverdichtung kleine Teiche und Seen, die besonders für Amphibien wichtig sind. Viele weitere offene und magere Bereiche bieten Lebensraum für seltene und bedrohte Arten.

Abb. 4: Gewässer als Lebensraum für Amphibien
Abb. 5: Ein Tümpel voller Kreuzkröten-Larven

Gewässer

Im Steinbruch Zinst befinden sich mehrere dauerhaft und temporär bestehende Stillgewässer, welche von Verlandungsbereichen mit Kleinseggen, Binsen oder Röhricht geprägt sind. Die Pflanzen profitieren von einer guten Nährstoffversorgung der Böden aufgrund eines günstigen Wasserhaushaltes und der Ansammlung von Feinsedimenten. Kamm- und Teichmolch sind auf Gewässer angewiesen und hier im Steinbruch anzutreffen.

Die Kreuzkröte – ursprünglich eine Art der heute seltenen Auenlandschaften – kommt mit einer landesweit bedeutsamen Population vor. Sie ist als typische Pionierart insbesondere auf temporäre, flache und vegetationsfreie Gewässer spezialisiert. Der Vorteil ist, dass sich diese im Frühjahr schnell erwärmen und keine Fressfeinde beherbergen. Der Nachteil ist, dass sie auch relativ schnell austrocknen können.

Die Kreuzkröte hat sich mit ihrer kurzen Entwicklungszeit an diese Umstände angepasst: Die Entwicklung der Larven (Kaulquappen) hin zur adulten Kreuzkröte kann bei günstigen Bedingungen in nur drei Wochen abgeschlossen sein. Die erwachsenen Tiere bekommt man selten zu Gesicht, sie verstecken sich unter Steinen oder in Mäuselöchern, wo es schattig und feucht ist.

Schotterflächen

Auf diesen kargen Flächen ist – als ein besonders gefährdeter Vertreter der Insekten – die Blauflügelige Ödlandschrecke zu finden. Da sie im Gegensatz zu anderen Springschrecken erst bei sehr geringer Distanz flieht und sich auf den Boden geduckt ihrer extrem guten Tarnung vertraut, kann sie auch gut beobachtet werden. Ihren Namen hat sie aufgrund der blauen Färbung ihrer Hinterflügel, die nur beim Fliegen sichtbar werden.

Abb. 6: Adulte Kreuzkröte mit charakteristischem Rückenstreifen
Abb. 7: Das Kleine Tausendgüldenkraut ist nur wenige Zentimeter groß.
Abb. 8: Gut getarnt: die Blauflügelige Ödlandschrecke

Blockschutthalden

Im gesamten Steinbruch verteilt befinden sich besonnte sowie von Bäumen und Sträuchern beschattete Blockschutthalden unterschiedlichen Alters, bestehend aus Basaltblöcken mit Durchmessern bis ca. 2,5 m. Blockschutthalden in exponierten Lagen, z. B. unterhalb der Abbauterrassen, zeichnen sich durch eine sehr geringe Vegetation aus. Sie entstehen durch Hangrutschungen, bedingt durch Frostsprengung und Verwitterungsprozesse der freiliegenden Basaltfelsen. Bei Blockschutthalden handelt es sich um besonders wertvolle Standorte, die gemäß Bayerischem Naturschutzgesetz unmittelbar geschützt sind.

Die seltene und stark gefährdete Nachtfalterart Gelbgrüner Winkelspanner (Euphyia frustata) kommt im Gebiet vor und hält sich tagsüber gerne an den Felsunterseiten auf.

Himbeergestrüpp und der Einfluss der Lupine

Durch das weitverbreitete Auftreten von Lupinen werden die Nährstoffverhältnisse durch deren Stickstoffanreicherung nachhaltig verändert. In Folge dessen setzen sich stickstoffliebende Arten wie Himbeere, Brennnessel und der Gewöhnliche Glatthafer als konkurrenzstarke Arten durch. Als solche bilden sie ein entscheidendes Bindeglied in der Sukzession von Freilandflächen zu Pionierwaldgesellschaften. Die Gestrüppe werden von den weidenden Ziegen und Schafen effektiv in Schach gehalten.

Abb. 9: Flachgründige Schotterfläche mit Filzkraut

Naturschutz Ziele & Maßnahmen

Abb. 10: Gelbgrüner Winkelspanner
Abb. 11: Blockschutthalde als besonderer Lebensraum

Wichtig für den Erhalt der Biodiversität und den Schutz der bedrohten Arten ist die Offenhaltung des ehemaligen Steinbruchs. Um der zunehmenden Verbuschung entgegenzuwirken und Pionierstandorte zu erhalten, wird ein Großteil des Geländes mit Schafen und Ziegen beweidet. Der Einsatz der Tiere soll u. a. die Ausbreitung der invasiven Lupine eindämmen und somit eine Nährstoffanreicherung in den ökologisch wichtigen, mageren Flächen verhindern.

Die Gehölzpflanzen werden von den Tieren teilweise geschält und so zum Absterben gebracht, wodurch die Fläche langfristig offengehalten wird. Da Ziegen auch steilere Hänge beweiden, kann selbst hier der Gehölzaufwuchs reduziert werden. Um die Verlandung der permanenten und temporären Gewässer zu verhindern, werden diese Flächen bei Bedarf entschlammt und geräumt. Der Steinbruch wird regelmäßig von Fledermäusen aufgesucht, unter anderem von der Zweifarbfledermaus. Um die Lebensraumqualität des Schutzgebietes für Fledermäuse zu verbessern, besteht die Idee, einen noch vorhandenen alten Bunker zu nutzen. Dieser könnte den Tieren als Versteck, Unterschlupf und als Winterquartier dienen.

Wissenswertes

Da es sich bei dem Schutzgebiet um eine ehemalige Abbaustätte mit bis zu 80 Meter hohen Bruchkanten handelt, ist das Betreten aufgrund des erhöhten Gefahrenpotenzials nur im Rahmen geführter Wanderungen möglich.

Abb. 12: große Basaltblöcke bieten Versteckmöglichkeiten
Abb. 13: Die Lupine reichert Stickstoff im Boden

Die Autorin

Nadja Danner

Flächenmanagerin für LBV-Schutzgebiete Studium der Geoökologie in Bayreuth mit dem Schwerpunkt Biogeografie. Promotion am Lehrstuhl für Tierökologie an der Universität Würzburg zum Thema „Honeybee foraging in agricultural landscapes“. Seit 2020 beim Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. als Flächenmanagerin für LBV-Schutzgebiete in ganz Bayern beschäftigt.

 

 

Literatur

Bernd Berauer, Simone Blomenkamp, Carola Bonse, Chris Gundlach, Annemarie Heller, Dominic Hopp, Daniel Messerschmidt, Karsten Preß, Ulrike Richter, David Vollmuth & Andreas Wurm Leitung: Dr. Pedro Gerstberger (2014): Biotopmanagementplan für den ehemaligen Basaltsteinbruch Zinst; Universität Bayreuth

LBV/Susanne Pätz: Abb. 1 & Abb. 6

LBV/Alexander Ulmer: Abb. 2

LBV/Ralf Hotzy: Abb. 3

LBV/Nadja Danner: Abb. 4, Abb. 5, Abb. 8–9 & Abb. 11–13

Wikipedia/Christian Fischer, CC BY-SA 3.0: Abb. 7

Wikipedia, ©entomart: Abb. 10

LBV/Julia Römheld: Abb. 14