Weinheim

Auffüllen eines Steinbruchs im Einklang mit dem Artenschutz am Beispiel der Gelbbauchunke

  • Abb. 1: Gelbbauchunke von unten
    Abb. 1: Gelbbauchunke von unten
  • Abb. 2: Gelbbauchunke im Wasser
    Abb. 2: Gelbbauchunke im Wasser

Weinheim liegt am Rand des Odenwaldes an der badischen Bergstraße im Rhein-Neckar-Kreis (Baden- Württemberg). Außerhalb der Ortslage im Weschnitz- Tal wird hier seit 1894 Porphyr abgebaut. Nach Auslaufen des Steinbruchbetriebes wurde im Jahr 2015 mit Planungen für eine Verfüllung begonnen. Dabei galt es, verschiedensten Erfordernissen, Interessen und rechtlichen Vorgaben Rechnung zu tragen.

Für den Abbau und die Rekultivierung liegt eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung vom 19.5.1983 vor. Diese sieht eine Verfüllung des Abbautrichters durch Überdeckung mit Oberboden und nachfolgende großflächige Waldpflanzungen vor. Dieser Rekultivierungsplan orientierte sich an den Lebensräumen (Wald), wie sie vor dem Abbau waren. Zwischenzeitlich wurden aber der Steinbruch und seine Umgebung als NATURA 2000-Gebiet ausgewiesen, u. a. wegen der Gelbbauchunke, deren Primärlebensraum Flussauen sind.

Bedrohte Flusslandschaften

Abb. 3: Unterseite Gelbbauchunke

Noch vor wenigen Jahrhunderten waren die Flüsse und Bäche vom Menschen unberührt und konnten frei fließen. Bei Hochwasser setzte eine Morphodynamik ein. Dies bedeutet vom Schlamm bis zu größeren Steinen wurde alles umgelagert (JAHN et al. 1996, GOLLMANN & GOLLMANN 2012) oder Flächen wurden durch Suhlen von Großsäugern offen gehalten (NIEKISCH 1995). Es entstanden dabei Offenland, Abbruchkanten, Schotter- und Sandbänke und viele stehende Kleingewässer. Es ist bekannt, dass in einer naturnahen Flusslandschaft über 90 % der Kleingewässer regelmäßig austrocknen. In diesem dynamischen Lebensraum haben sich viele Tiere und Pflanzen wohlgefühlt.

Abb. 4: Überblick, im Vordergrund BA 1, im Hintergrund im Steinbruch BA 2
Abb. 5: Ausgetrocknete Tümpel und Wagenspuren in der Talsohle

Aufgrund von Hochwasserschutz, Landgewinnung und Schiffbarmachung hat der Mensch in die Fließgewässer mit ihren Auen eingegriffen. Heute ist dieser natürliche Lebensraum extrem selten und mit ihm viele Arten, die auf diese Dynamik angewiesen sind. In Abbaustellen wie in Weinheim ersetzt der Bagger die Morphodynamik. Er schafft immer wieder neue Freiflächen und Kleingewässer. Ein Teil der Pflanzen und Tieren haben es geschafft, sich diesen durch den Menschen gestalteten Lebensraum zu erobern. Hierzu zählt u. a. die Gelbbauchunke. Daher haben aktive Abbaustellen eine hohe Bedeutung für den Artenschutz.

Deshalb liegen wertvolle FFH-Lebensraumtypen und Arten im Steinbruch, und der FFH-Managementplan sieht einen „Schutz vor Verfüllung“ vor. Auch die angrenzenden Kommunen standen den ursprünglichen Plänen skeptisch gegenüber. Eine Bürgerinitiative (BI) sprach sich gegen die Verfüllung aus, u. a. da der Erhalt des „Naturparadieses“ Wachenberg gefährdet erschien.
Die PWS stand vor einem Dilemma: Einerseits wollten sie auffüllen, wie es der genehmigte Rekultivierungsplan vorsah und auf der anderen Seite standen neue einzuhaltende Fachpläne und die Bevölkerung, die keine Auffüllung wollte.

Abb. 6: Ausgetrockneter Tümpel in dem Gelbauchunken abgelaicht haben

Um diesen kontroversen Intensionen und Erfordernissen sowie den FFH- und artenschutzrechtlichen Aspekten Rechnung zu tragen, wurde in einem ersten Schritt aus Artenschutzsicht ein Rahmenkonzept für die Gesamtmaßnahme erstellt (BFL LAUFER 2016). Das Konzept basiert auf vorliegenden Daten zu Flora und Fauna. Dieses setzt sich modulartig aus fünf Verfüllabschnitten zusammen. Gleichzeitig wurden die Bevölkerung und die BI in den Entwicklungsprozess eingebunden.

Abb. 7: Gelbbauchunke in der Kahnstellung
Abb. 8: Gelbbauchunke

Die Gelbbauchunke im Steinbruch Weinheim

Abb. 9: Bauabschnitt 1 (BA 1), Stand vom Sommer 2019

Die streng geschützte Art Gelbbauchunke Bombina variegata (LINNAEUS, 1758) ist in Baden-Württemberg stark gefährdet (LAUFER 1999). Deutschland hat eine besondere Verantwortung für die Erhaltung dieser Art in Europa (LAUFER 2006), bundesweit liegt ihr Verbreitungsschwerpunkt in Süddeutschland. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sie in Südwestdeutschland sehr häufig, heute sind die Bestände dagegen erheblich geschrumpft (GENTHNER & HÖLZINGER 2007). Im Jahr 2016 wurden im Steinbruch Weinheim im Juni mit 72 Alttieren und 53 Subadulten die meisten Individuen erfasst. Davon lebten 41 Adulti und 38 Subadulti (ca. 60 %) der Individuen im Auffüllbereich. Die anderen Individuen sind vom Auffüllen nicht betroffen.

Im Jahr 2017 wurden sogar 87 adulte und 119 subadulte Gelbbauchunken gezählt. In den Folgejahren konnten nur noch 38 adulte und 51 subadulte Gelbbauchunken (2018) sowie 40 Adulttieren und 17 Subadulti (2019) gezählt werden. Als Gründe wurde das Vorkommen des Waschbären als Fressfeind, aber
auch die extreme Witterung angenommen. Im Jahr 2019 starteten die ersten Gegenmaßnahmen (siehe „Folien-Betontümpel“ und „Waschbär“). Im Jahr 2020 konnten dann insgesamt 81 Adulttiere und 13 Subadulti erfasst werden.

Abb. 10: Viele Gelbbauchunken sitzen auf einem Rindenstück, welches im Wasser schwimmt.

In fünf Schritten zum Ziel

Insgesamt sind fünf Zwischenschritte bei der Auffüllung geplant, bevor der Endzustand erreicht ist. Diese Zwischenschritte sind erforderlich, damit insbesondere die seltenen und streng geschützten Tier- und Pflanzenarten zu jedem Zeitpunkt ausreichend Lebensraum haben (Wanderbiotope), um neue Abschnitte zu besiedeln. Dies erfordert einige Zeit, daher ist die Auffüllung auf ca. 20 Jahre ausgelegt; die einzelnen Schritte dauern zwischen zwei und sechs Jahren. Am Beispiel der Gelbbauchunke soll gezeigt werden, wie das funktionieren kann.

Abb. 11: Begehung im Steinbruch mit Vertreter/innen der Bürgerinitiative, BUND und NABU

Zwei von fünf Schritten sind gemacht

Abb. 12: Im Vordergrund befindet sich der BA 1 und im Hintergrund BA 2 (April 2020)
Abb. 13: Übersicht vom Auffüllungszustand von BA 1 (Vordergrund) im Jahr 2017, mit angrenzendem Steinwall als Erosionsschutz zur Talsohle

Im westlichen Bereich gab es keine geeigneten Lebensräume für streng geschützte Arten wie der Gelbbauchunke. Daher wurde dort (Bauabschnitt (BA) 1) mit der Verfüllung begonnen (2017 bis 2020). Schon im Herbst 2019 wurden auf der Oberfläche als temporärer Lebensraum fünf Kleingewässer angelegt und das Umfeld gestaltet (siehe Abschnitt „Folien- Betontümpel“).

Im Herbst 2019 wurde in einem östlichen Teilbereich mit nur wenigen Gelbbauchunken mit dem 2. Auffüll- Schritt (BA 2) begonnen. Neue Kleingewässer wurden angelegt und mit Amphibienzäunen vom Gefahrenbereich abgetrennt. Mittig zwischen BA 1 und BA 2 kamen in drei Wagenspuren noch Gelbbauchunken vor. Diese wurden in 2020 abgesammelt und in die neuen Gewässer von BA 1 getragen (siehe Abschnitt „Umsetzen von Tieren“).

Es ist geplant, ab dem Jahr 2022 im mittleren Teil des Steinbruches von der Talsohle aus mit der Auffüllung zu beginnen (BA 3). Hier kommen relativ viele Gelbbauchunken vor. Der BA 4 grenzt an BA 3 an und wird auch von der Talsohle aus aufgefüllt. BA 5 besteht im Wesentlichen aus einem Wall, der aufbauend auf Teilbereiche von BA 1 bis BA 4 geschüttet wird. Ist die Endhöhe erreicht, wird sie überwiegend mit vorhandenem Stein- und Schottermaterial in einer Mächtigkeit von 1 bis 1,5 m abgedeckt. Es werden Kleingewässer angelegt. Die Gestaltung orientiert sich am derzeitigen Lebensraum im Steinbruch.

Abb. 14: Teilbereich des BA 2, aus dem Gelbbauchunken abgefangen wurden

Für die Gelbbauchunke gewährleistet die Auffüllung über die nächsten 20 Jahre eine Dynamik im Steinbruch. Ohne diese Arbeiten würde durch die natürliche Sukzession in kürzester Zeit der Steinbruch mit Sträuchern und Bäumen verbuschen, die Kleingewässer vertrocknen oder zuwachsen. Die Gelbbauchunke hätte keinen Lebensraum mehr.

Um von Beginn an Transparenz zu schaffen, wurden dieses Konzept und die weitere Planung im Herbst 2016 in einer Bürgerversammlung vorgestellt. Die Veranstaltung wurde von einem Büro für Konfliktmoderation (Team Ewen, Darmstadt) professionell moderiert und war mit ca. 50 Teilnehmern gut besucht. Hier konnten in fachlichen Diskussionen erste Bedenken ausgeräumt werden. Für die gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wurden artenschutzkonforme Ansätze aufgezeigt, wie durch die Verfüllung keine nachteiligen negativen Wirkungen entstehen. Diese wurden seitdem sukzessive umgesetzt und von einem Monitoring begleitet. Die Ergebnisse und die Situation vor Ort werden bei jährlichen gemeinsamen Begehungen mit der Bürgerinitiative und interessierten Naturschutzverbänden vorgestellt. Über den Fortgang der Arbeiten, die Umsetzung der Artenschutzmaßnahmen und deren Auswirkungen kann diskutiert werden. Damit wurde die Basis für eine bisher vertrauensvolle Zusammenarbeit geschaffen.

Abb. 15: Folien-Betontümpel im Herbst 2019 während des Baus

Folien-Betontümpel

Abb. 16: Folien- Betontümpel nach einem Jahr im Herbst 2020 nach erfolgreicher Reproduktion von Bergmolch, Erdkröte und Gelbbauchunke
Abb. 17: Mörtelwanne. Sie wurde noch mit Wasser gefüllt, um auch nach dem Auffüllen der Kleingewässer zu kontrollieren, ob noch Gelbbauchunken im BA 2 vorkommen.

Bei der Anlage neuer temporärer Lebensräume für Gelbbauchunken waren besonders zwei Punkte wichtig:

Ein großes Problem stellt die dauerhafte Erhaltung und Offenhaltung der angelegten Tümpelkomplexe dar. Durch die Klimaveränderung fallen zur Fortpflanzungszeit der Gelbbauchunke deutlich weniger Niederschläge, d. h. die Kleingewässer trocknen sehr schnell aus. Eine Fortpflanzung ist häufig nicht mehr möglich. Ein anders Problem ist, dass in Gewässern ohne Dynamik schon nach wenigen Jahren die Wasservegetation so stark zunimmt, dass diese für Gelbbauchunken als Fortpflanzungsgewässer ungeeignet sind. Daher hat man sich im Steinheim Weinheim für Folien- Betontümpel entschieden. Diese haben den Vorteil, dass sie auf dem durchlässigen Boden das Wasser halten und sie in Zukunft einfacher zu pflegen sind. Menschen (aber auch die Wildschweine) können im Gewässer laufen, z. B. um die Vegetation zu entfernen, ohne die Folie zu zerstören.

Insgesamt wurden fünf Folien-Betontümpel im Herbst 2019 angelegt. In eine ca. 75 cm tiefe Mulde wurde Teich-Folie ausgelegt und mit einer ca. 5 bis 10 cm dicken Schicht aus bodenfeuchtem Beton ausgekleidet. Die Tümpel wurden nach dem Abtrocknen mit Wasser gespült, um den pH-Wert zu senken. Der Beton wurde dann mit einer 5 bis 10 cm dicken Schicht Mutterboden überzogen. In den vegetationsfreien Tümpeln diente im Frühjahr etwas eingebrachtes Reisig als Versteckplatz für die Unken und zum Anheften ihrer Eipakete.

Abb. 18: Waschbär-Spuren

Das ebene und vegetationslose Umfeld der Betontümpel wurde mit Reisig- und Steinhaufen aufgewertet, die den Gelbbauchunken und auch ihren Nahrungstieren zahllose Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten bieten.

Im Jahr 2020 wurden 53 Gelbbauchunken in diese Gewässer getragen. Circa 30 weitere wanderten spontan in die Folien-Betontümpel ein, außerdem Grasfrosch, Erdkröte und Bergmolch. Alle diese Arten haben erfolgreich reproduziert. Die Folien-Betontümpel führten das ganze Jahr über Wasser.

Umsetzen von Tieren

Im BA 2 waren Einzeltiere in drei kleineren Wagenspuren bekannt. Daher wurde dieser Bereich von der Auffüllung ausgenommen, bis alle Tiere abgesammelt und zu den neu angelegten Folien-Betontümpeln getragen waren.

Da Gelbbauchunken an Land so gut wie nicht gefunden werden, wurden die Gewässer so lang es ging erhalten. Als sie ausgetrocknet waren und bei 6 Kontrollen keine Gelbbauchunken mehr gesehen wurden, wurden die Wagenspuren aufgefüllt. Um sicherzugehen, dass tatsächlich keine Gelbbauchunken mehr im BA 2 sind, wurde dann eine Mörtelwanne mit
Ausstiegshilfe als „letztes Gewässer“ eingegraben, die gut einzusehen und abzufangen war. An einem Tag konnten in den Folien-Betontümpeln 26 Alttiere, 6 subaldulte Tiere, etwa 200 Jungtiere und deutlich über 200 Kaulquappen gezählt werden. Auf der Talsohle, wo in den Vorjahren die meisten Individuen lebten, waren es 2020 nur 14 Alttiere, 3 Subadulte, ein Jungtier und drei Kaulquappen.

Bisher haben sich die Folien-Betontümpel bewährt, boten einen funktionierenden Lebensraum und erlaubten eine erfolgreiche Reproduktion.

Waschbär

Waschbären stammen ursprünglich aus Nordamerika. In Deutschland gibt es mindestens seit 1934 frei lebende Waschbären, die zuvor ausgewildert wurden oder aus der Zucht entkommen waren. In Baden- Württemberg dürften sie zwischenzeitlich flächig verbreitet sein. Der Waschbär ist Allesfresser. Auf dem Speiseplan stehen neben Insekten, Weichtiere, Krebse und Fische auch Amphibien und zu etwa 40 Prozent pflanzliche Nahrung. Erstmals anhand von Spuren konnte der Waschbär im Steinbruch Weinheim 2018 nachgewiesen werden. 2020 wurde er dann durch Fotofallen belegt.

Am Ufer der Kleingewässer auf der Talsohle mit den meisten Gelbbauchunken konnten 2018 zahlreiche Spuren und auch ausgefressene Unken und Kröten nachgewiesen werden. Deshalb wurde 2019 ein Teil der Kleingewässer mit einem Elektrozaun umzäunt. Der Zaun wurde jedoch häufig von Wildschweinen niedergetrampelt. Dadurch war der Effekt eingeschränkt.

Im 2020 wurden auf der Talsohle die Kleingewässer nicht mehr geschützt, dafür aber die neuen Folien- Betontümpel auf dem BA 1.

Wie aus den Zahlen des vorherigen Kapitels hervor geht, war die Reproduktion in den eingezäunten Folien-Betontümpeln viel besser als in der ungeschützten Talsohle. Dadurch hat sich gezeigt, dass der Elektrozaun eine effektive Methode sein kann, um die Gewässer vor dem Waschbären zu schützen.

Vom Protest zur begleitenden Bürgerinitiative

Bereits 1990/91 gab es Pläne zur massiven Erweiterung des Steinbruchs am Wachenberg. Das wurde verhindert, die 1983 gezogenen Grenzen waren einzuhalten. Nach vielen Sprengungen und Abtragungen gab es dann 2003 eine Rutschung, die eine weithin sichtbare Kerbe an der oberen Kante hinterließ. Im Jahr 2005 gründete sich die Bürgerinitiative „Rettet den Wachenberg“ (BI), um eine geplante Erweiterung zu verhindern. Die bewaldete Kuppe wäre verschwunden, nur so sollte der Hang zu sichern sein. Gegengutachten widersprachen dem.

Die BI war überaus aktiv: Sie überzeugte die Naturschutzverbände und die studentischen Verbindungen, die Besitzer der Wachenburg. Es gab Informationsveranstaltungen, Feste für die Bürgerschaft und Unterschriftensammlungen sowie Besuche bei den Entscheidungsträgern von Politik und Verwaltungen. Schließlich bekannte sich auch die Weinheimer Stadtspitze mit dem Gemeinderat zum Schutz des Landschaftsbildes. Ein Bebauungsplan legte 2005 die Grenzen des Abbaus, aber auch den Erhalt der Kuppe und seiner Umgebung fest.

Es ging um die Silhouette des Berges mit der Burg, um ein Wahrzeichen der Stadt. Jahrelange Rechtsstreitigkeiten folgten, bis 2015 das Bundesverwaltungsgericht Leipzig der Stadt Weinheim Recht gab.

Danach schwenkten die Porphyrwerke zu einer anderen Nutzung des Steinbruchs. Renaturierung durch Auffüllung? Die BI war ebenso skeptisch wie die Naturschutzverbände. Schließlich handelt es sich um ein FFH-Gebiet im Netz Natura 2000, mit geschützten Vögeln, Fledermäusen und Amphibien. Beruhigend war die Beauftragung des Büros für Landschaftsökologie mit Hubert Laufer und seinen MitarbeiterInnen. Sie sorgen tatsächlich für eine verträgliche Nutzung unter Berücksichtigung des Naturschutzes. Für Gelbbauchunken und Vögel gibt es gute Möglichkeiten, die Fledermäuse werden von weiteren Fachleuten kontrolliert. Hier steht eine verträgliche Lösung zwischen Auffüllung und Fledermausschutz allerdings noch aus. Zusätzlich informiert sich die BI auch selbst über den Fortgang der Auffüllung. Bei jährlichen Begehungen mit den Steinbruchbetreibern und den dort tätigen Ökologen vergewissern sich zahlreiche Interessierte aus dem Naturschutz über den Fortgang der Auffüllung.

So wandelte sich die ursprünglich protestierende Bürgerinitiative „Rettet den Wachenberg“ in eine Gruppierung, die den Fortgang der Renaturierung mit großem Interesse begleitet. Der Naturschutz ist weiterhin ebenso wichtig wie der Erhalt des Landschaftsbildes.

Elisabeth Kramer Gründungsmitglied der Bürgerinitiative „Rettet den Wachenberg“

Die Autoren

Dr. Sigrid Lenz

Gutachterin im Büro für Landschaftsökologie LAUFER. Studierte Biologie in Bonn mit Schwerpunkt Zoologie und Ökologie. Promotion am Museum König Bonn über die Ökologie des Nilwarans. Seit 1991 als freiberufliche Gutachterin tätig, besonders für die Artengruppen Amphibien und Reptilien. Seit 2016 auch beim BfL LAUFER und bei den Untersuchungen im Steinbruch Weinheim.

 

 

Hubert Laufer

Gutachter im Büro für Landschaftsökologie LAUFER. Bis 1990 angestellt beim BUND und zuständig für naturschutzfachliche Stellungnahme bei Bauvorhaben. Ab 1990 selbstständiger Gutachter im Büro für Landschaftsökologie LAUFER mit fünf Angestellten. Ehrenamtlich tätig beim ABS (Amphibien Reptilien Biotopschutz Baden-Württemberg), BUND und NABU.

Literatur

BFL LAUFER (2016): Rekultivierung des Steinbruchs Weinheim. Teilverfüllung mit 1. Bauabschnitt und Gesamtkonzept. – Gutachten i. A. PWS

GENTHNER, H. & J. HÖLZINGER (2007): Gelbbauchunke. – pp. 271–292 in: LAUFER, H., K. FRITZ & P. SOWIG (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. – Ulmer Verlag, Stuttgart

GOLLMANN, B., & GOLLMANN, G. (2012): Die Gelbbauchunke: von der Suhle zur Radspur. – 2. Auflage, Laurenti- Verlag, Bielefeld, 176 pp.

JAHN, K., H. KNITTER & U. RAHMEL (1996): Erste Ergebnisse einer Studie an der Gelbbauchunke (Bombina variegata) in einem natürlichen Habitat im französischen Zentralmassiv. – Naturschutzreport 11: 32–46

LAUFER, H. (1999): Die Roten Listen der Amphibien und Reptilien Baden Württembergs (3. Fassung, Stand 31.10.1998). – Naturschutz und Landschaftspflege Baden-Württemberg 73: 103–134

LAUFER, H. (2006): Die Verantwortlichkeit Deutschlands für die Erhaltung von Tierarten: Methodendiskussion am Beispiel von Gelbbauchunke (Bombina variegata) und Moorfrosch (Rana arvalis). – Zeitschrift für Feldherpetologie, Supplement 10: 225–236

MARCHAND, M. (1993): Untersuchungen zur Pionierbesiedlung terrestrischer und limnischer Habitate eines Bodenabbaugebietes im südlichen Wesertal mit besonderer Berücksichtigung der Biologie und Ökologie der Gelbbauchunke, Bombina v. variegata LINNAEUS, 1758. – Dissertation Universität Göttingen (Cuviller Verlag), 81 pp.

NIEKISCH, M. (1995): Die Gelbbauchunke. Biologie, Gefährdung, Schutz. – Ökologie in Forschung und Anwendung 7, Margraf Verlag, Weikersheim, 234 pp.

BFL-Laufer: Abb. 1–18