Dörtendorf

Wildnis wagen im Diabas-Steinbruch

  • Abb. 1: Baummarder (Martes martes), ein heimlicher Bewohner alter Laubmischwälder
    Abb. 1: Baummarder (Martes martes), ein heimlicher Bewohner alter Laubmischwälder
  • Abb. 2: Diabas-Steinbruch Dörtendorf und seine Umgebung
    Abb. 2: Diabas-Steinbruch Dörtendorf und seine Umgebung

Wie ein Zahn nagt der Diabas-Steinbruch Dörtendorf an der flachwelligen Hochfläche zwischen dem engen, gewundenen Tal der Triebes und der zur Talsperre aufgestauten Weida (s. Abb. 2). Diese Landschaft ist eingebunden in dem Naturraum „Ostthüringer Schiefergebirge-Vogtland“. Dieses wiederum 1.148 km² große Gebiet umfasst den größten Teil der welligen Hochfläche des östlichen Thüringer Schiefergebirges um 400 bis 500 m ü. NN.

Die nach Norden abgedachte Hochfläche wird von den Tälern der Weißen Elster, Weida und Auma zerschnitten und im Südostteil sind ihre zahlreichen Härtlingskuppen, die „Pöhle“ des Vogtlandes, aufgesetzt. Geprägt wird dieser Naturraum von großen Ackerschlägen in flachhängigem Gelände, intensiv genutzten Grünlandgebieten in den Tallagen und feuchten Mulden sowie Laubwaldbestockungen an den warmen Talhanglagen und auf den Pöhlen. Einzelne größere Waldbestände sind von Fichtenforsten dominiert.

Geologie & Umgebung

Abb. 3: Der Diabaszersatz wird von einer mächtigen Solifluktionsschuttdecke überdeckt.

Der „Bergaer Sattel“ im mittleren Teil dieses Naturraumes besteht geologisch im Wesentlichen aus Tonschiefern, Sandsteinen, Knotenkalken und - typisch für diese Region – aus zahlreichen Basiten (insbesondere Diabasen). Die anstehenden Gesteine sind vor allem in den ebenen, flach und mäßig geneigten Lagen von einer 0,5 bis 1 m, örtlich auch mehrere Meter mächtigen, periglazialen Schuttdecke überlagert. Unter dem Einfluss von Diabasvorkommen entwickelten sich auf der flachwelligen Hochfläche steinig-grusige Lehme mit Berglehm-Braunerde. An den Steilhängen der Flusstäler entstanden flachgründige lehmige Skelettböden und in den Blockfeldern auch Fels-Ranker.

Klimatisch wird der Südwesten des Naturraumes zum Klimagebiet „Deutsches Mittelgebirgsklima“ gerechnet. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt ca. 600 bis 720 mm und die Jahresdurchschnittstemperatur liegt zwischen 6 und 7 °C. Wobei auch das Mikroklima eine entscheidende Rolle spielt, so wie das trocken-warme Geländeklima in den Flusstälern. Unter diesen abiotischen Bedingungen hat sich in dem Zeitraum nach der letzten Eiszeit (ca. 12.000 Jahre) eine natürliche Vegetation entwickelt, die in der Gegenwart als „Potenziell natürliche Vegetation“ nachempfunden wird. Also eine Vegetation, die bestehen würde, wenn es keinerlei menschliche Einflüsse gäbe. Die unberührten Flächen des Diabas- Steinbruch Dörtendorf und dessen Umgebung wären fast ausschließlich von einem Hainsimsen-Buchenwald geprägt. An den Hängen der Triebes würde sich ein Eichen-Hainbuchenwald und auf deren Talgrund ein Hainmieren-Erlenwald entwickeln.

Für einen Steinbruchbetrieb und auch der sich daran anschließenden Entwicklung sind natürlich die lokalen geologischen und pedologischen Bedingungen entscheidend. Der gesamte Komplex der Lager Triebes und Dörtendorf wirkt aufgrund abweichender Streichrichtung und Begrenzung durch Störungen als starrer Block innerhalb seiner Umgebung. Das Diabaslager von Dörtendorf wird im Süden und Westen von Störungen begrenzt. Der Diabaskörper erreicht im Nahbereich des Steinbruches eine Mächtigkeit von über 90 m.

Abb. 4: Typischer „Kappenquarz“
Abb. 5: Im Diabaszersatz sind zahlreich die typischen Diabas-„Bomben“ zu finden.

Im Oberdevon intrudierten Diabase die bestehenden Hauptquarzite. Zeugen dieser Entwicklung sind u. a. formenreiche Quarzkristalle bis hin zur wasserklaren Quarz-Varietät Bergkristall (Abb. 4). Über dem anstehenden Diabas liegt im Bereich der Oberkante des Steinbruchs eine ca. 3 bis 6 m starke Schicht von Diabaszersatz (s. Abb. 5). Überdeckt wird dieser von einer 0,1 bis 1,6 (2) m mächtigen Solifluktionsschuttdecke (s. Abb. 3). Der anstehende Diabas verwittert zu neutralen bis schwach alkalischen Böden. Die Mutterbodenauflage schwankt zwischen 0,1 und 0,4m. An den steileren Hängen handelt es sich bodentypologisch um Ranker, auf den flachgeneigten Partien liegen Braunerden vor.

Die Natur kehrt zurück

Abb. 6 (2004): Satellitenaufnahmen dokumentieren die schnelle Sukzession im Diabas-Steinbruch.
Abb. 7 (2010): Satellitenaufnahmen dokumentieren die schnelle Sukzession im Diabas-Steinbruch.
Abb. 8 (2012): Satellitenaufnahmen dokumentieren die schnelle Sukzession im Diabas-Steinbruch.
Abb. 9 (2015): Satellitenaufnahmen dokumentieren die schnelle Sukzession im Diabas-Steinbruch.
Abb. 10 (2016): Satellitenaufnahmen dokumentieren die schnelle Sukzession im Diabas-Steinbruch.
Abb. 11 (2018): Satellitenaufnahmen dokumentieren die schnelle Sukzession im Diabas-Steinbruch.
Abb. 12 (2019): Satellitenaufnahmen dokumentieren die schnelle Sukzession im Diabas-Steinbruch.
Abb. 13: Aktueller Blick in den Diabas-Steinbruch (21.9.2020)

Das Diabaslager wurde 1906 durch den örtlichen Baumeister Franz Feustel als Steinbruch erschlossen. Nach mehrfache Betreiberwechsel übernahm ab 1951 der VEB (K) Diabaswerk Dörtendorf den Abbau, ab 1960 bis zur einstweiligen Einstellung 1978 dann die ZBO Landbau Zeulenroda. Ab 1990 bis zum endgültigen Ende des Abbaus 2004 die Basalt AG. Gewonnen wurde hier der Diabas, den man zu Schotter, Splitt und Edelsplitt für den Straßenbau weiterverarbeitete.

Nach 2004 hat dann die Natur wieder die gestalterische Macht für den aufgelassenen Diabas-Steinbruch übernommen. In welchen kurzen Zeiträumen dabei sich dieser Naturraum veränderte, verdeutlicht die Abbildungsfolge Abb. 5 – 11, die aktuelle Ansicht vom 21. September 2020 dokumentiert Abb. 12. Einen visuellen Eindruck von diesem heutigen „Paradies“ gewähren auch die Fotos (Abb. 13–15).

Diese Veränderungen in Raum und Zeit werden sich natürlich fortsetzen, wenn wir hier der Natur die Chance einräumen, sich frei zu entfalten, und wir uns als stille Beobachter dieser Entwicklung zurücknehmen. An dieser Stelle sei nur beispielhaft eine Bilanz gezogen, wie mannigfaltiges Leben nahezu unbehindert und ungesteuert in diesen Naturraum eingezogen ist. Eine systematische und vollständige Aufnahme dieser lebendigen Vielfalt für unseren gegenwärtigen Zeitschnitt harrt noch der Bearbeitung.

Abb. 14: Visuelle Eindrücke aus dem „Natur – Paradies“ Diabas-Steinbruch
Abb. 15: Visuelle Eindrücke aus dem „Natur – Paradies“ Diabas-Steinbruch
Abb. 16: Visuelle Eindrücke aus dem „Natur – Paradies“ Diabas-Steinbruch

Vielseitige Lebensräume

Der Gesteinsabbau hat für den betroffenen Naturraum vollkommen veränderte ökologische Bedingungen hinterlassen. Seit 2004 etablieren sich hier nun Lebensräume, die an die neuen Bedingungen angepasst sind, aber ihr stabiles Endstadium bei Weitem nicht erreicht haben. In ihrer Eigendynamik werden sie sich teilweise noch grundlegend verändern und damit auch ihre Einordnung in systematisch gegliederte Biotoptypen. Es ist daher gegenwärtig nicht machbar und auch nicht sinnvoll, eine räumliche Abgrenzung von systematisch erfassten Biotoptypen zu erstellen. Von Interesse wäre allerdings, die neuen abiotischen und biotischen Bedingungen zu erfassen und die dynamischen Prozesse räumlich und zeitlich zu dokumentieren.

Lebensräume im Diabas-Steinbruch Dörtendorf, die sich bis heute etabliert haben, in Fragmenten ausgeprägt sind oder sich in Entwicklung befinden, sind:

Binnengewässer

Standgewässer (ohne Altwasser) (Abb. 18), vegetationsfreie Wasserflächen und Wasserlinsendecken, temporäre Kleingewässer, Verlandungsröhrichte und Flutrasen, Großseggen- und Binsenriede, Uferstaudenfluren, naturnahe Ufergehölze.

Grünland & Staudenfluren

Bodensauer Halbtrockenrasen, Staudenfluren, Brachen und Ruderalfluren frischer, teilweise trockener und feuchter Standorte. Rohboden-/Extremstandorte, Zwergstrauchheiden, Felsbiotope: natürlicher Rohboden, Fels- und Schotterrasen (Abb. 17), Heidekrautheide, natürliche Blockund Felsschutthalden, Felsbildungen.

Abb. 17: Vegetationsarmer Schotterrasen
Abb. 18: Strukturreiches Standgewässer im älteren Teil des Steinbruche

Tier- & Pflanzenarten

Die nachfolgenden Ausführungen gehen fast ausschließlich auf spontane und sporadische Beobachtungen zurück, eine umfassende Erfassung der Tier- und Pflanzenwelt des Diabas-Steinbruches Dörtendorf steht noch aus. Aber bereits diese wenigen Hinweise machen deutlich, wie dieser Naturraum von einer Vielzahl von Arten binnen eines kurzen Zeitraumes, als deren Lebensraum angenommen wurde. Damit besteht die Hoffnung, dass in Zukunft mit weiteren zahlreichen interessanten Begegnungen zu rechnen ist.

Säugetiere

Abb. 19: Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) kehrt auf leisen Sohlen zurück in unsere Landschaften.
Abb. 20: Baummarder (Martes martes), ein heimlicher Bewohner alter Laubmischwälder

Nach WREDE (1992) wurden folgende Kleinsäuger nachgewiesen: Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis), Rötelmaus (Myodes glareolus) und Feldmaus (Microtus arvalis), des Weiteren folgende Fledermausarten: Wasserfledermaus (Myotis daubentonii) und Großer Abendsegler (Nyctalus noctula). Fraßspuren eines Marders könnten auf das Vorkommen des Baummarders (Martes martes) (Abb. 20) hindeuten. Auf leisen Pfoten ist gegenwärtig die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris) (Abb. 19) in Thüringen auf der Suche nach neuen Revieren, das Steinbruchgelände bietet ihr eine lebensnotwendige „Ruheinsel“.

Vögel

Abb. 21: Der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) benötigt „die menschliche Hand“, um in künstlichen Lebensräumen zu überleben.

Zur Vogelwelt liegen umfassende und langjährige Beobachtung vor (LUX, 2020, mdl.), sodass die nachfolgenden Darstellungen auf gesicherten Daten zurückgehen. Die vorgefundene Arten-Mannigfaltigkeit macht deutlich, wie notwendig solche Naturräume wie aufgelassene Steinbrüche als Habitate in den ausgeräumten Landschaften Mitteleuropas sind. Der interessanteste Brutvogel ist wohl der Flussregenpfeifer (Charadrius dubius) (Abb. 21), seit 2006 regelmäßiger Brutvogel mit bis zu drei Brutpaaren. In der Naturlandschaft hat er seine Lebensräume, natürliche Flussläufe mit Kiesbänken, durch Menschenhand verloren. Jetzt nimmt er immer mehr die von Menschenhand geschaffenen Biotope wie Kiesflächen an Baggerseen und Kiesgruben an.

Abb. 22: Ringelnatter (Natrix natrix) liebt strukturreiche Feuchtflächen

Neben dem Flussregenpfeifer haben noch zahlreiche andere Vogelarten ihr Bruthabitat im Diabas-Steinbruch. Genannt seien u. a.:

Waldwasserläufer (Tringa ochropus), Teichhuhn (Gallinula chloropus), Kuckuck (Cuculus canorus) und sein „Wirtsvogel“ Teichrohrsänger (Acrocephalus scirpaceus), Stock- und Reiherente (Anas platyrhynchos, Aythya fuligula), Gebirgs- und Bachstelze (Motacilla cinerea, M. alba), Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Singdrossel (Turdus philomelos), Garten- und Klappergrasmücke (Sylvia borin, S. curruca), Zilpzalp (Phylloscopus collybita), Gelbspötter (Hippolais icterina), Nachtigall (Luscinia megarhynchos), Waldkauz (Strix aluco) und vermutlich auch der Uhu (Bubo bubo). Viele Vogelarten haben zwar hier noch nicht ihre Heimat gefunden, suchen aber das Gebiet zu ihrer Nahrungssuche auf.

Abb. 23: Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) ist ein scheuer Waldbewohner und meidet dort den Menschen.

Als bedeutsame Art sei dabei auf den Schwarzstorch (Ciconia nigra) (Abb. 23) verwiesen. Er lebt meistens verborgen in alten, nicht zu dichten und reich strukturierten Wäldern. Der Schwarzstorch nutzt aber auch waldnah gelegene, feuchte, extensiv genutzte Wiesen, Tümpel und Teiche als Nahrungshabitate. Auch zur Nahrungssuche kommt der Eisvogel (Alcedo atthis) regelmäßig an die Stillgewässer des Diabas-Steinbruches. Eigentlich bieten sich die Abbruchwände für den Bau seiner Brutröhren an. In der ausgeräumten Agrarflur sind Rast- und Ruheplätze rar geworden, daher wird der Diabas-Steinbruch auch von vielen Vögeln zur Rast genutzt. Erwähnenswert sind u. a.: die Bekassine (Gallinago gallinago), die Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus), der Flussuferläufer (Actitis hypoleucos) und die Beutelmeise (Remiz pendulinus).

Amphibien/Reptilien

Von dieser Artengruppe liegen Angaben von WREDE 1992) und Beobachtungen von Lux, 2020, mdl. vor. Danach besitzen zwei streng geschützte Arten nach Anhang IV der FFH-Richtlinie Vorkommen im Diabas-Steinbruch: der Kammmolch (Triturus cristatus) und die Zauneidechse (Lacerta agilis) (Abb. 25). Während erstere das Stillgewässer des älteren Bruches besiedelt, hat die zweite Arte ihren Lebensraum in Blockschutthalden am Fuß der Bermen. Weiterhin sind noch folgende Amphibienarten nachgewiesen: Teich- und Bergmolch (Lissotriton vulgaris, Ichthyosaura alpestris), Erdkröte (Bufo bufo) und Teichfrosch (Pelophylax „esculentus“) sowie die Reptilienarten: Glattnatter (Coronella austriaca), Ringelnatter (Natrix natrix) (Abb. 22) und Blindschleiche (Anguis fragilis).

Abb. 24: Paarungsrad der Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)
Abb. 25: Zauneidechse (Lacerta agilis)

Insekten

Von den Insekten liegen nur einige wenige Zufallsbeobachtungen vor, eine umfassende Erfassung steht noch aus. Als Libellenarten wurden die Gemeine, Große und Blutrote Heidelibelle (Sympetrum vulgatum, S. striolatum und S. sanguineum) (Abb. 24), Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) und die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) sowie mehrere Kleinlibellen (Zygoptera) nachgewiesen (GRIMM, 2020, mdl.). Eine typische Heuschreckenart auf Trockenrasen, in Sandgruben oder Kiesflächen ist die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) (Abb. 26). Auf geeigneten Standorten kommt diese Art relativ häufig im Diabas-Steinbruch vor (GRIMM, 2020, mdl.).

Als spontane Beobachtungen konnten hier meinerseits die Schmetterlinge (Tagfalter) Admiral (Vanessa atalanta) und Schwalbenschwanz (Papilio machaon) nachgewiesen werden.

Abb. 26: Das Männchen der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) ist mit seiner Färbung ausgezeichnet an den Untergrund angepasst.

Pflanzen

Auch hier ist bis dato noch keine umfassende Erfassung der einzelnen Arten erfolgt, es liegen daher nur die Angaben von WREDE (1992) und einige wenige eigene Beobachtungen vor.

Gefäßpflanzen

Abb. 27: Feinstrahl (Erigeron annuus), ein aus Nordamerika stammender Neophyt.

Die bisher beobachteten Gefäßpflanzen spiegeln recht gut die gegenwärtig bestehenden Standortbedingungen wider. Als Beispiele seien genannt: Die Golddistel (Carlina vulgaris) ist eine Art, die auf den sonnigen, trockenwarmen und basenreichen Böden vorkommt. Sie ist über den gesamten Diabas-Steinbruch in Pionierrasen zerstreut, ebenso der Feinstrahl (Erigeron annuus) (Abb. 27), ein aus Nordamerika stammender Neophyt. Eine beginnende Bodenbildung dokumentiert das Kleine Wintergrün (Pyrola minor) als Moderwurzler auf modrig-humosen Stein-, Sand- oder Lehmböden und die Orchideenart Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) (Abb. 28), die ähnliche Bodenverhältnisse bevorzugt.

Daher finden sich von beiden Arten bisher auch nur Vorkommen im älteren Steinbruchteil. Moos- und Flechtenarten wurden bisher nicht erfasst, aber vor allem von lithophytische Flechten (Abb. 29) wären interessante Arten zu erwarten.

Abb. 28: Die Orchideenart Braunrote Stendelwurz (Epipactis atrorubens) zählt zu den Erstbesiedlern in und um Steinbrüchen im basenreichen Gesteinsschutt in trocken-warmen Lagen.
Abb. 29: Lithophytische Flechten auf Diabasgestein: Physcia adscendens (grauer Ring), Xanthoria parietina (Mitte gelb) Ockerfarbene rechts unten ist eine Caloplaca spec. (rechts unten, ockerfarben) mit Lecanora dispersa (braun, mit breitem grauem Rand).

Pilze

Abb. 30: Eichen-Wirrling (Daedalea quercina) an einen alten Eichenstumpf

Einige wenige Arten wurden auf einer einzigen Begehung von MORGNER, STARKE (2020, mdl.) nachgewiesen: Coleosporium tussilaginis, ein Phytoparasit auf Huflattich (Tussilago farfara), Eichenmehltau (Erysiphe alphitoides), Erysiphe aquilegiae, ein Phytoparasit auf Hahnenfuß (Ranunculus spec.), Flacher Lackporling (Ganoderma applanatum), Ahorn-Runzelschorf (Rhytisma acerinum), Stink-Täubling (Russula foetens) und Spaltblättling (Schizophyllum commune). Vom Autor wurde der Eichen-Wirrling am Bruchrand an einem alten Eichen-Stubben (Daedalea quercina) gefunden (Abb. 30).

Quo vadis?

„Der Garten ist verwüstet, die Wege zertrampelt, die Reste des Inventars werden gerade verheizt“, so eine Metapher auf den aufgelassenen Diabas-Steinbruch. Die ursprüngliche Natur dieses Gebietes wurde vom Menschen über Jahrhunderte in eine naturferne, intensiv genutzte Landschaft umgewandelt. Mit dem Steinbruchbetrieb erfolgte dann in den letzten hundert Jahren eine vollkommene Änderung, „die Erde wurde auf den Kopf gestellt“. Jetzt stehen wir vor der Entscheidung, der Erde ihren Gestaltungswillen zurückzugeben oder wiederum in die natürlichen Prozesse einzugreifen. „Am Anfang war die Erde“, so der bekannte amerikanische Wildnisbegründer Aldo Leopold. Wenn ich als Naturschützer vor einer Entscheidung stehe, dann ist für mich diese Leitidee meine Richtschnur, ja vielleicht etwas überspitzt formuliert meine „Ultima Ratio“. Naturschützer fordern immer wieder – richtigerweise – von den anderen gesellschaftlichen Interessensvertretern so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen. Diese Forderung sollten sie sich aber auch für ihr eigenes Tun zu Eigen machen. „Natur Natur sein lassen“, wie es der langjährige Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald, Hans Bibelriether forderte. Das „Loslassen“ eines Naturraumes, auch eines kleinen wie den Diabas-Steinbruch Dörtendorf, bedeutet aber auch, bestimmte Erwartungen an die darin ablaufenden natürlichen Prozesse zurückzunehmen.

Es darf dabei keine sogenannten „Zielbiotope“ oder „Zielarten“ geben. Der Natur eine Chance zu ihrer selbstbestimmten Entwicklung geben und dem Menschen die Freude an den überraschenden Momenten, die uns die Natur dabei bietet, also eine echte Winwin-Situation.

Der aufgelassene Diabas-Steinbruch ist bereits jetzt ein Natur-Paradies inmitten der ausgeräumten Agrarflur. Nach wenigen Jahren hat sich die Natur mit ihren Geschöpfen diesen Lebensraum zur neuen Heimat gemacht. Wir sollten jetzt dafür Sorge tragen, dass sich diese ungestörte natürliche Entwicklung fortsetzen kann. Als stille Beobachter könnten wir diese Entwicklung, dieses Kommen und Gehen in der Natur beobachten und dokumentieren, es aber immer wieder „unbegreiflich“ finden. Im Sinne von das eine zu tun, das andere aber auch nicht zu lassen, wären auch gewisse menschliche Eingriffe nicht auszuschließen, um eine wahrscheinliche Störung natürlicher Prozesse zu minimieren.

Mit der anerkannten Naturschutzvereinigung Naturschutzverband Sachsen e. V. hat die Basalt AG Gärtner“ gefunden, die diesen „Garten unbegreiflich inden“ und sich in dessen Sinne entwickeln lassen.

Abb. 31: Aufgeschüttete Gesteinshaufen aus standortfremden Material vor natürlichen Gesteinsschutthalden: tun oder lassen?
Abb. 32: Diabas-Steinbruch Dörtendorf – „Diesen Garten unbegreiflich finden“

Der Autor

Wolfgang Riether

Freiberufler für ökologische Projekte, seit Jahrzenten im Naturschutz engagiert. Arbeitet freiberuflich als „lebensraum erzgebirge“ Büro für ökologische Projekte, Naturfotografie und Mediengestaltung. Versucht, die Wechselwirkungen des Naturhaushaltes zu erforschen, zu spüren, zu erkennen, was „die Erde im Innersten zusammenhält“. Leitgedanken: Natur-Schutz ist Schutz der Natur und seiner natürlichen Prozesse und wird getragen von der Liebe zur Natur.

Literatur

Die vollständigen Quellenangaben finden Sie unter: https://www.basalt-lebensraeume.de/quellenangaben/

Wolfgang Riether: Abb. 1, Abb. 3, Abb. 5, Abb. 14–20, Abb. 23 & Abb. 25–32

Google Earth: Abb. 2 & Abb. 6–12

Museum Gera „Kabinettausstellung“: Abb. 4

Klaus Zipfel: Abb. 13

Enrico Lux: Abb. 21

Ilona Grimm.: Abb. 22 & Abb. 24