Buhlenberg & Forst

Eine Momentaufnahme aus zwei stillgelegten Steinbrüchen

  • Abb. 1: Die Waldeidechse kommt als einzige Eidechsenart häufig im rekultivierten Steinbruch Buhlenberg vor
    Abb. 1: Die Waldeidechse kommt als einzige Eidechsenart häufig im rekultivierten Steinbruch Buhlenberg vor
  • Abb. 2: Rekultivierter Steinbruch Buhlenberg mit großem Sohlgewässer und langsam zuwachsender Felswand
    Abb. 2: Rekultivierter Steinbruch Buhlenberg mit großem Sohlgewässer und langsam zuwachsender Felswand

Im Rahmen von zwei Geländetagen wurde im Auftrag der Südwestdeutschen Hartsteinwerke die Flora und Fauna in den zwei seit Jahrzehnten stillgelegten Steinbrüchen Buhlenberg und Forst erfasst. Dokumentiert wurde vor allem die weitgehend ungelenkte Entwicklung der beiden Standorte. Für den Steinbruch Buhlenberg konnten insgesamt 471, für den Steinbruch Forst 287 Arten nachgewiesen werden. Es steht außer Frage, dass bei den Erfassungen nur ein Bruchteil der tatsächlichen Artenvielfalt erfasst werden konnte und die tatsächlichen Artenzahlen deutlich höher liegen.

Der Steinbruch Buhlenberg (Abb. 2) mit einer Gesamtfläche von etwa 9 Hektar liegt östlich der gleichnamigen Ortsgemeinde im Landkreis Birkenfeld (Rheinland-Pfalz) am Rande des Naturparks Saar- Hunsrück und des Nationalparks Hunsrück-Hochwald im Schwarzwälder Hochwald. Der Gesteinsabbau von Porphyrit wurde im Jahre 1982 eingestellt (BAUMANN 2002).

Abb. 3: Steinbruch Buhlenberg Kronkorken

Buhlenberg als Lebensraum

Abb. 4: Der Uhu, gut getarnt in einer Felswand in Buhlenberg.
Abb. 5: Das Rundblättrige Wintergrün kommt meist auf schattigen und halbschattigen, sauren oder basenreichen Böden von Laub- und Nadelwäldern oder Gebüschen vor.

Die Rekultivierung wurde nach den damaligen Verpflichtungen und Vorgaben im Jahre 1996 abgeschlossen und 1997 beanstandungslos von den Behörden abgenommen. Seitdem wurde das Gebiet, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist, größtenteils sich selbst überlassen und nur Wege und kleinere Bereiche regelmäßig freigestellt. Charakteristisch ist der große Sohlensee mit angrenzender Steilwand am Nordostufer. Im südlichen Teil fließt der Atzenbach am Gebiet vorbei. Regelmäßig zieht dieser idyllische und ruhig gelegene Ort ungebetene Gäste an, leider wird dabei auch oft der Zaun beschädigt und Unrat hinterlassen (Abb. 3).

Seine typischen Pionier-Lebensräume hat der Steinbruch bis auf die Steilwand am Nordostufer und einige kleinere Bereiche weitgehend verloren. Dichter Wald drängt mittlerweile von fast allen Seiten an das Sohlgewässer. Auch an den Fuß der Steilwand sowie auf das Plateau dringen bereits Pioniergehölze wie Hänge-Birke (Betula pendula) und Zitter-Pappel (Populus tremula) vor. Viele klassische Pionierarten, die man sonst in Steinbrüchen vorfindet, sind nicht mehr nachweisbar.

Es existieren aber noch kleine Restvorkommen der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) sowie des Hasen-Klees (Trifolium arvense) (Abb. 8). Auch die Bodenwanze Ortholomus punctipennis oder die zu den Sichelwanzen gehörende Prostemma guttula zeugen von lückig bewachsenen Standorten.

Abb. 6: Die Waldeidechse kommt als einzige Eidechsenart häufig im rekultivierten Steinbruch Buhlenberg vor.
Abb. 7: Der Birken-Zahnspinner lebt in Laub- und Mischwäldern mit Birkenanteil.

Tiere & Pflanzen

Abb. 8: Der Hasen-Klee ist ein typischer Trockniszeiger und kommt häufig auf offenen Steinbruchgeländen und deren Felsköpfen vor.

Der Uhu (Bubo bubo) nutzt die Steilwände des Steinbruchs als Brutplatz (Abb. 4). Von seiner Jagdtätigkeit zeugen die zahlreichen ausgeschabten Igelschwarten am Fuße der Felsen. Hinweise auf die mittlerweile starke Beschattung des Gebiets finden sich u. a. im individuenreichen Vorkommen des Rundblättrigen Wintergrüns (Pyrola rotundifolia) (Abb. 5) sowie der Waldeidechse (Zootoca vivipara) (Abb. 6). Der Birken-Zahnspinner (Pheosia gnoma) (Abb. 7), der Zweipunkt-Sichelflügler (Watsonalla binaria) oder der Große Schneckenspinner (Apoda limacodes) sind weitere Waldarten.

Die Barrenringelnatter (Natrix helvetica) wurde mit einem Jungtier im Steinbruch als zweite Reptilienart nachgewiesen (Abb. 10). Als weitere meist übersehene Schönheit unter den Pflanzen wurde das ursprünglich aus Nordamerika stammende Kurzfrüchtige Weidenröschen (Epilobium brachycarpum) auf einem Felskopf gefunden (Abb. 9).

Abb. 9: Das Kurzfrüchtige Weidenröschen besitzt nur wenige Millimeter große Blüten und wird daher oft nicht wahrgenommen.
Abb. 10: Die Barrenringelnatter ist die am weitesten verbreitete Schlangenart im Landkreis Birkenfeld und besiedelt sowohl aktive als auch stillgelegte Abbaugebiete.

Forst als Lebensraum

Abb. 11: Sicht auf die Westwand im rekultivierten Nordbruch Forst.
Abb. 12: Blick aus dem Nordosten des Nordbruchs. Der Wald wird mittlerweile von Robinie dominiert.

Der Steinbruch Forst liegt ca. 1,6 km westlich der Ortschaft Forst im Landkreis Bad Dürkheim (Rheinland- Pfalz) am Haardtrand. Zudem liegt der Steinbruch im
Naturschutzgebiet „Haardtrand – Am Bechsteinkopf“. Der Gesteinsabbau von Basalt wurde im ca. 4,5 ha großen Nordbruch (Abb. 11), der für den vorliegenden Bericht untersucht wurde, im Jahre 1990 eingestellt. Danach erfolgte die endgültige Abnahme der Rekultivierung im Jahre 2011. Seitdem wurde das Gebiet größtenteils sich selbst überlassen. Bereits in der ersten Ausgabe der Lebensraumbroschüre „Nachhaltige Rekultivierung und Renaturierung“ berichtet HIMMLER (2008) über den Steinbruch. Hierbei führt er einige Pflanzenarten an, die heute – fast 12 Jahre nach HIMMLERs Erfassung – nur noch in kleinen Beständen oder überhaupt nicht mehr nachgewiesen werden konnten.

Hierbei führt er einige Pflanzenarten an, die heute – fast 12 Jahre nach HIMMLERs Erfassung – nur noch in kleinen Beständen oder überhaupt nicht mehr nachgewiesen werden konnten.

Abb. 13: Brauner Grashüpfer auf Dürrwurz. Die Heuschreckenart fliegt sehr gut und kann somit als Pionierart neu entstandene Lebensräume wie Abgrabungsstätten schnell besiedeln.

Die natürliche Sukzession schreitet fort, und abgesehen von der nördlichen und westlichen Steilwand und Rutschungsflächen sind die meisten Bereiche mittlerweile durch dichten Wald geprägt (Abb. 12). Ein großes Problem stellt dabei die Robinie (Robinia pseudoacacia) dar. Der ursprünglich aus Nordamerika stammende Laubbaum gilt als invasive Art und besiedelt im Abbaugebiet nach und nach alle offenen, für die Pionierarten wichtigen Flächen (Abb. 14). Durch eine Symbiose mit Bodenbakterien kann die Robinie Luftstickstoff im Boden fixieren.

Durch diese Form der Düngung dominieren in Robinienwäldern meist wenige häufige und weit verbreitete Arten. Anspruchsvolle Pionierarten werden durch die Düngung verdrängt.

Abb. 14: Die Robinie besiedelt mittlerweile sogar den Rutschhang und beschattet somit immer mehr die wertvollen Offenflächen.
Abb. 15: Die Weißliche Flechteneule besiedelt neben natürlichen Felsformationen auch Hauswände, Steinmauern und Steinbrüche, wobei sich die Raupen von verschiedenen Flechten ernähren.

Tiere & Pflanzen

Abb. 16: Die Gemeine Sandwespe ist auf sandige oder schwach bewachsene Lebensräume wie etwa Abbaustätten angewiesen.
Abb. 17: Der Teichfrosch ist ein Bastard aus dem Kleinen Wasserfrosch und dem Seefrosch. Hier im Bild ein Teichfrosch mit einigen deutlichen Merkmalen des Seefroschs.

Heute noch auftretende Bewohner xerothermer Felsstandorte sind der Felsrasen-Glockenblumen- Blütenspanner (Eupithecia impurata), die Weißliche Flechteneule (Bryophila domestica) (Abb. 15) sowie der Perlband-Zwergspanner (Idaea moniliata). Bei weiterhin zunehmender Verbuschung des Gebietes werden allerdings auch häufigere Pionierarten verschwinden, wie bspw. der Braune Grashüpfer (Chorthippus brunneus) (Abb. 13) oder die Gemeine
Sandwespe (Ammophila sabulosa) (Abb. 16). Im Jahr 2015/2016 konnten im Sohlgewässer noch einige Fische (Karpfenartige) beobachtet werden. Dies gelang während der aktuellen Untersuchung nicht mehr. Vereinzelt findet man hingegen noch den Teichfrosch (Pelophylax kl. esculentus) (Abb. 17), die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) und den Wasser-Knöterich (Persicaria amphibia).

Wandel der Artenstruktur

Zusammenfassend lässt sich für beide Abbaugebiete feststellen, dass aufgrund der natürlichen Sukzession ein Wandel in der Artenzusammensetzung stattfindet. Die eher seltenen Pionierarten gehen deutlich zurück, während sich häufige und weit verbreitete Arten ansiedeln. Die meist sehr alten Rekultivierungsvorgaben müssen bei Sonderstandorten wie Abbaugebieten kritisch hinterfragt und auf das aktuelle Wissen zum Erhalt der Artenvielfalt und Förderung besonders seltener Arten angepasst werden. Sonderstandorte wie Steinbrüche stellen Lebensräume dar, die man in unserer Kulturlandschaft vergleichsweise selten findet, die aber für einige anspruchsvolle Arten überlebenswichtig sind. Einige Beiträge aus dieser und den vorherigen drei Ausgaben der Lebensraumbroschüre berichten über diese wertvollen offenen und immer wieder neu entstehenden Biotope und das Mosaik aus verschiedenen Lebensräumen. Hier werden teils hohe Artenzahlen erreicht, insbesondere seltene Pionierarten nutzen diese Lebensraummosaike (bspw. SCHLEICH 2017). Meist lassen sich entsprechende Maßnahmen mit Zielen des strengen Artenschutzes gegenüber den Behörden argumentativ begründen. Auch für die Betreiber können sich dadurch weitere oder neue Betriebsmöglichkeiten eröffnen. So können beispielsweise im Zuge von Teilverfüllungen wertvolle Wechselbiotope geschaffen werden (vgl. Beitrag LAUFER in diesem Band).

Ein besonderer Dank gilt den Südwestdeutschen Hartsteinwerken, die diesen Beitrag ermöglicht haben, den Struktur- und Genehmigungsdirektionen Rheinland-Pfalz, Herrn Fritz Baumann für den sehr interessanten Austausch von historischen Abläufen und Grundstücksverhältnissen sowie den Miteigentümern und Pächtern für die Betretungserlaubnis.

Die Autoren

Sascha Schleich

geb. 1985, bFa – Schleich Büro für Freilanderfassung und Artenschutz. Von 2006 – Mitte 2019 bei der Basalt-Actien- Gesellschaft – Südwestdeutsche Hartsteinwerke (SHW) in der IT-Abteilung beschäftigt. Ab Mitte 2019 freiberuflich im Natur- und Artenschutz sowie der ökologischen und umweltfachlichen Bauüberwachung tätig. Seit 2010 ehrenamtlicher Sprecher des NABU Bundesfachausschusses Feldherpetologie & Ichthyofaunistik sowie Leiter des Arbeitskreises Nahetal der GNOR.

 

 

Kathrin Jäckel

geb. 1981, Büro für Faunistik und Landschaftsökologie. Studierte Biologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit einer Abschlussarbeit über das Territorialverhalten von Libellen. Hauptberuflich tätig im Büro für Faunistik und Landschaftsökologie (Thomas Grunwald) in Bingen. Mitarbeiterin im Integrierten Singvogelmonitoring Eich-Gimbsheimer Altrhein sowie ehrenamtliche Mitarbeiterin am Naturhistorischen Museum Mainz.

Dr. Carsten Renker

geb. 1974, Geschäftsführer ConchBooks-Verlag. Studierte Biologie an der Georg-August-Universität Göttingen mit einer Abschlussarbeit über die Verbreitung der Mollusken im Landkreis Göttingen. Promotion an der Friedrich-Schiller-Universität Jena über arbuskuläre Mykorrhizapilze. Seit 2006 Leiter der Zoologischen Sammlungen am Naturhistorischen Museum Mainz. Seit 2013 Geschäftsführer des ConchBooks-Verlags. Ab 2011 freiberufliche Gutachten im Natur- und Artenschutz.

Literatur

BAUMANN, F. (2002): 100 Jahre Gesteinsabbau. In: Basalt AG (Hrsg.), Südwestdeutsche Hartsteinwerke, Kirn/Nahe

HIMMLER, H. (2008): Sukzession am PECHSTEINKOPF. In: Basalt AG (Hrsg.): Lebensräume, B. 1 S. 46–51. Linz

SCHLEICH, S. (2017): GEO-Tag der Artenvielfalt im Steinbruch RAMMELSBACH/THEISBERGSTEGEN. In: Basalt AG (Hrsg.): Lebensräume, B. 3 S. 64-71. Linz

Schleich, S.: Abb. 1–3, Abb. 6, Abb. 8 & Abb. 10–11

Renker, C.: Abb. 4, Abb. 5, Abb. 9, Abb. 12–14 & Abb. 16–17

Jäckel, K.: Abb. 7 & Abb. 15