Wolfshagen

Eine herausragendes Beispiel für erfolgreiche Rekultivierung

  • Steinbruch Wolfshagen (Foto: Grope)
    Steinbruch Wolfshagen (Foto: Grope)
  • Glänzende Smaragdlibelle (Somatchlora metallica), (Foto: Grope)
    Glänzende Smaragdlibelle (Somatchlora metallica), (Foto: Grope)
  • Luftbild kurz nach der Stilllegung (Foto: Grope)
    Luftbild kurz nach der Stilllegung (Foto: Grope)
  • Biotoppflege (Foto: Grope)
    Biotoppflege (Foto: Grope)

Der Harzer Diabas-Steinbruch befindet sich östlich des staatlich anerkannten Luftkurortes Wolfshagen im Harz, Landkreis Goslar, Bundesland Niedersachsen.Die Stilllegung des Harzer Diabas-Steinbruches erfolgte im Jahr 1987 nach über 100-jähriger Betriebsgeschichte. Zwei Jahre später wurden auch die Renaturierungsarbeiten beendet. Seither wird der 25 ha große Steinbruch einer weitestgehend ungestörten natürlichen Entwicklung überlassen und ist heute als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Bereits vor der Stilllegung wurde mit der Ansiedlung stark gefährdeter Arten wie der Geburtshelferkröte und des Uhus das hohe ökologische Potenzial des Sekundärlebensraumes deutlich.

Die Renaturierungsarbeiten waren auf die Erhaltung vorhandener Strukturen und die zusätzliche Schaffung im Naturraum seltener Biotopstrukturen wie z. B. flache, oligotrophe Stillgewässer, nährstoffarme Trockenstandorte sowie Schutt- und Geröllhalden ausgerichtet. Diese Strukturen sollten als Initialsetzung für eine positive ökologische Entwicklung des Gebietes dienen.

Biotope

Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), (Foto: Dorstewitz)
Uhu (Bubo bubo), (Foto: Grope)

Zur Beobachtung dieser Entwicklung wurden bereits mehrfach floristische und faunistische Untersuchungen durchgeführt, zuletzt im Jahr 2002.Der vorherrschende Biotoptyp im Steinbruch ist ein Pionierwald, der sich überwiegend aus Birken zusammensetzt. Die Zitterpappel ist aufgrund der hohen Trockenheit der Flächen eher selten.

An den Hängen sind zusätzlich verschiedene Weidenarten (meist Salweide bzw. Salix caprea) beigemischt. Außerdem etablieren sich die Gemeine Fichte (Picea abies), die Wald-Kiefer (Pinus sylvestris), vereinzelt von den Rändern her auch der Spitzahorn (Acer platanoides) und die Hundsrose (Rosa canina). Je nach Substrat sind die Vorwälder verschieden stark entwickelt. 

Die dichteste Ausprägung ist zwischen Tafelberg und westlichem Rand des Steinbruches zu finden. Meist sind die Bestände jedoch lückig und/oder nicht besonders hochwüchsig. Die Übergänge zu stark verbuschten Magerrasen oder zum stark verbuschten Offenbodenbereich sind fließend. An den Rändern des Steinbruches und im Bereich der Zufahrt haben sich gemischte Laubholzbestände ausgebildet. Ein hoher Anteil von Birken und Weiden kennzeichnet seinen teilweisen Pioniercharakter.

Gleichzeitig werden die Bestände durch von den Rändern zuwandernde Laubbaumarten bereichert, wie z. B. Spitzahorn (Acer platanoides), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Stiel-Eiche (Quercus robur). Entlang der oberen Steinbruchkanten wurden im Zuge der Renaturierung auf bis zu 100 m breiten Streifen heimische Laubbaumarten z. B. Trauben-Eiche (Quercus petraea), Hain-Buche (Carpinus betulus), Rot-Buche (Fagus sylvatica), Winter-Linde (Tilia cordata), Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) und Eberesche (Sorbus aucuparia), angepflanzt. Zur Abschirmung des Steinbruchgeländes und der Pflanzungen wurden zusätzlich dichte Strauchpflanzungen mit Wildrosen (Rosa spec.), Sanddorn (Hippophae rhamnoides), Schlehe (Prunus spinosa), Haselnuss (Corylus avellana) und Brombeere (Rubus fruticosus agg.) vorgenommen.

Dieser Gürtel und die umgebenden Waldflächen liefern das Samenmaterial für die zukünftige Gehölzentwicklung. Ein dichter Bestand von Gemeiner Esche (Fraxinus excelsior) befindet sich in der Mitte des Tafelberges, welcher im Tagebau als herausragendes geomorphologisches Objekt belassen wurde.

Abschirmung der Steinbruchkante (Foto: Aumüller)

Im Steinbruch existieren drei Tümpelquellen: im Süden des Steinbruches und im nordwestlichen Bereich. Um die beiden nördlichen Quellen haben sich kleine Stillgewässer gebildet; eine typische Feuchtvegetation mit Flatter-Binse (Juncus effusus) bzw. Gewöhnlicher Teichsimse (Schoenoplectus lacustris) ist jedoch nur gering ausgebildet.

Kleine naturnahe Wasserläufe existieren ebenfalls im nördlichen und südlichen Teil des Steinbruches. Der Bach im nördlichen Bereich ist nur zeitweilig wasserführend. Eine typische bachbegleitende Vegetation hat sich hier nicht angesiedelt. Fließgeschwindigkeit und Strukturreichtum sind aufgrund des steinigen Untergrundes und des wenigen Gefälles gering. 

Im südlichen Bereich hat sich bereits begleitender Gehölzbewuchs aus Birke (Betula pendula), Weide (Salix spec.) und auch Schwarzerle (Alnus glutinosa) entwickelt. Die krautige Vegetation kennzeichnen Schilf (Phragmites australis), Froschlöffel (Alisma plantago-aquatica) und Gewöhnliche Teichsimse (Schoenoplectus lacustris).

Größeres Abbaugewässer auf der Sohle (Foto: Grope)

Als naturnahe nährstoffarme Abbaugewässer sind alle übrigen Gewässer einzustufen. Die typische Ufer- und Wasservegetation ist an allen Teichen in unterschiedlicher Intensität zu finden. Alle felsigen Bereiche, die durch anthropogene Einwirkung entstanden sind, zählen zu den anthropogenen Fels- und Gesteinsschuttfluren.

Es wird jedoch differenziert in Felswände, zu denen auch Ablagerungen großer Felsbrocken an deren Fuß gehören, und Steinschutthalden, die durch Ablagerungen feineren Gesteins gekennzeichnet sind. Letztere stellen reale oder potenzielle Quartiere der Geburtshelferkröte dar. Dieser Biotoptyp tritt entlang der Böschungen sehr häufig auf.

Westliche Bruchwand im Frühjahr (Foto: Grope)

Offenbodenbereiche existieren vor allem noch im nördlichen Bereich auf der tiefsten Steinbruchsohle. Die Substratauflage auf Felsgestein ist äußerst dünn. Es können sich kaum Pflanzen halten. Nur wenige Birken (Betula pendula) wachsen hier sehr kümmerlich. Auch krautige Vegetation ist kaum vorhanden. Diese offenen Bereiche werden sich vermutlich noch lange halten. Auch die Zuwegungen sind diesem Biotoptyp zuzuordnen.

Blüte der Wilden Möhre, Fraßpflanze des Schwalbenschwanzes (Foto: Grope)
Gemeiner Schneeball, Strauch an der gepflanzten Waldrandzone (Foto: Grope)

Hier verhindern die Verdichtung und gelegentliche Offenhaltung sowie Materialverkippung die Vegetationsentwicklung. Kenn­zeichnende Pflanzenarten sind neben der Birke (Betula pendula) Habichtskraut-Arten (Hieracium spec.), Tüpfel-Johanniskraut (Hypericum perforatum), Rundblättrige Glockenblume (Campanula rotundifolia) und Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis agg.).

Mageres mesophiles Grünland nimmt einen Teil im nördlichen Bereich des Tafelberges ein. Die Fläche wird durch Glatthafer (Arrhenatherum elatius) dominiert und ist kaum mit Gehölzen durchsetzt. Aufkommende Fichten wurden zu Beginn entfernt. Die inzwischen dichte Grasnarbe verhindert nun die stärkere Etablierung der Art. Gelegentlich sind von den Rändern der Gehölzbestände Birken (Betula pendula) eingestreut.

Auch die Brombeere (Rubus fruticosus agg.) breitet sich an einigen Stellen aus.Kennzeichnende Arten des Grünlandes sind Wilde Möhre (Daucus carota), Berg-Weidenröschen (Epilobium montanum), Habichtskraut-Arten (Hieracium spec.), Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), Gold-Klee (Trifolium aureum), Berg-Platterbse (Lathyrus linifolius) und Gewöhnliches Kreuzblümchen (Polygala vulgaris). Den größten Teil der offenen Flächen nehmen Magerrasen auf basenreichem Gestein ein.Sie sind zum Teil geschlossen, zum Teil etwas lückig. Oftmals sind die Flächen von Gehölzen, meist Birken (Betula pendula), durchsetzt. Diese wandern von angrenzenden Gehölzbeständen langsam in die offenen Bereiche ein.

Kennzeichnende Pflanzenarten sind Rotes Straußgras (Agrostis capillaris), Hain-Rispengras (Poa nemoralis), Flaches Rispengras (Poa compressa), Wilde Möhre (Daucus carota), Wald-Erdbeere (Fragaria vesca), Feld-Klee (Trifolium campestre), Habichtskraut-Arten (Hieracium spec.), Schmalblättrige Wicke (Vicia angustifolia), Gold-Klee (Trifolium aureum) und die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea). Daneben treten kleinflächige Ruderalfluren frischer bis feuchter Standorte und halbruderale Gras- und Staudenfluren trockener Standorte auf.

Teichfrosch (Rana kl. Esculenta), (Foto: Grope)

Tiere

Zwergtaucher, Stockente und Reiherente wurden mehrfach, vor allem auf den Gewässern, beobachtet. Sie brüten mit z. T. mehreren Paaren in den Röhrichtzonen der Teiche. Ein Pärchen des Flussregenpfeifers wurde im nördlichen Bereich (untere Steinbruchsohle) beobachtet. Ein Brutnachweis erfolgte nicht und ist auch nicht wahrscheinlich. Die Art ist von der zunehmenden Sukzession bereits verdrängt worden. Der Uhu als typischer Felsbewohner brütet schon seit vielen Jahren im Steinbruch. Sämtliche nachgewiesenen Greifvögel ziehen lediglich durch das Gebiet. Aufgrund der zunehmenden Bewaldung stellen sich vermehrt baum- und heckenbewohnende Arten ein. Angaben zu den Bestandsgrößen bei Lurchen und Kriechtieren können nur eingeschränkt erfolgen.

Grasfrosch (Rana temporaria) und Erdkröte (Bufo bufo) hatten zu Beginn des Kartierungszeitraumes bereits gelaicht. Bei der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) wurde eine möglichst genaue Bestandsquantifizierung angestrebt.

Silberfleck Bläuling (Plebejus argus), (Foto: Grope)

Es konnten neun Amphibien- und Reptilienarten nachgewiesen werden. Damit konnten alle bisher gefundenen Arten aktuell bestätigt werden. Sie scheinen stabile Populationen aufgebaut zu haben und finden im Steinbruch optimale Bedingungen vor.

Vor allem der Teichfrosch hat inzwischen eine sehr große Population aufgebaut. Die Vorkommen von Molchen wurden in den Teichen festgestellt. Das Artenspektrum an Molchen kann als vollständig angesehen werden. Der Teichmolch ist sehr häufig anzutreffen. HARTMANN-SCHRÖDER & HARTMANN (2002) erwähnen das Vorkommen im Steinbruch Wolfshagen als das offenbar größte Vorkommen des Oberharzes und seines nördlichen Vorlandes. Der Fadenmolch wird hier als ehemals häufig (zur Betriebszeit des Steinbruches) angegeben. Er kommt jedoch nach den vorliegenden Untersuchungen immer noch in einer recht großen Population vor.

Feuersalamander (Salamandra salamandra) im Quellbereich (Foto: Grope)

Ein Feuersalamander wurde am südlichen Ende des Steinbruches, wo der Bach nach dem Durchfluss mehrerer beschatteter Tümpel den Steinbruch verlässt, nachgewiesen. HARTMANN-SCHRÖDER & HARTMANN (2002) geben auch hier eine große Population an, insbesondere im Bereich der Zufahrt zum Steinbruch (HARTMANN mdl.).

Die Blindschleiche ist bisher noch nicht nachgewiesen worden. Die im Harz weitverbreitete Art ist jedoch hier zu erwarten. Es konnten in 2002 insgesamt 15 Libellenarten im Steinbruch nachgewiesen werden. Dabei stellten die Grüne Mosaikjungfer und die Glänzende Smaragdlibelle Neunachweise dar. Ebenfalls in 2002 konnten 10 Heuschreckenarten nachgewiesen werden.Bemerkens- und besonders schützenswert sind die Vorkommen der Blauflügeligen Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) und der Westlichen Dornschrecke (Tetrix ceperoi).

Westliche Dornschrecke (Tetrix ceperoi), (Foto: Grope)

Von der Blauflügeligen Ödlandschrecke wurden einzelne Tiere auf der Magerrasenfläche gefunden. Die Art ist in Süd-Niedersachsen sehr selten. Sie kommt hier sonst nur im Okertal flussabwärts von Wiedelah und am südlichen Harzrand vor. Die Westliche Dornschrecke (Tetrix ceperoi) gehört zu den seltensten Heuschreckenarten Nieder-­sachs­ens.

Vorkommen sind nur von der Nordseeküste, aus dem Osnabrücker Raum und aus dem Landkreis Goslar bekannt. Hier wiederum kommt die Art nur an zwei Stellen vor: dem Steinbruch und dem Okertal bei Vienenburg. Die Art benötigt offene, feuchte Bodenstellen und kommt in den Bereichen zwischen den verschiedenen Teichen vor. Beide Arten sind durch die fortschreitende Sukzession bedroht. Mittelfristig ist mit ihrer Verdrängung zu rechnen, wenn keine Pflegemaßnahmen stattfinden. Neben den vorgenannten Tierarten wurden 24 Tag- und Nachfalterarten und im Bereich der Gewässer noch drei Fischarten (Stichling, Karpfen, Elritze), Wasserskorpion, Schlammschnecke, Rückenschwimmer, Wasserläufer, Pferdeegel und Makrozoobenthen nachgewiesen.

Fazit

Der Harzer Diabas-Steinbruch in Wolfshagen stellt ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Rekultivierung eines Bodenabbaus dar. Möglich wurde dies durch Nutzung der örtlichen Voraussetzung und die enge Zusammenarbeit zwischen Betreiber, Behörden und Planungsbüros. Die Entwicklung zum Naturschutzgebiet wurde durch die Abgeschlossenheit des Steinbruches begünstigt.

Damit war eine weitestgehend störungsfreie Ansiedlung und Ausbreitung der Populationen sowie der Vegetation möglich. Dennoch sind durch zwei geschaffene Aussichtspunkte auch den Naturinteressierten Einblicke in den einzigartigen Lebensraum ermöglicht worden. Naturfreunde aus ganz Deutschland nutzen diese Möglichkeit. Zur langfristigen Sicherung der Entwicklungsziele erhalten und entwickeln die ehemaligen Betreiber bis heute die vorhandenen Absperrungen. Ferner werden durch den Landkreis Goslar Maßnahmen zur Biotoppflege und zum Erhalt der vielfältigen Lebensräume veranlasst.

Die Autoren

Stefan Dorstewitz
Dipl.-Ing. (TU)

geboren am 18.11.1962 in Bayreuth, Studium von 1984–1990 an der Technischen Universität Clausthal, Fachrichtung Bergbau und Rohstoffe, Abschluss im Juni 1990 als Diplom-Ingenieur 

Anke Kätzel
Dipl.-Ing. (FH) 

geboren am 10.03.1975 in Schleiz (Thür.) studierte die Autorin an der Hochschule Anhalt (FH) von 1993–1999 Landespflege mit Schwerpunkt Naturschutz und Landschaftsplanung. Abschluss 1999 als Diplom-Ingenieur (FH), Aufbaustudiengang Landschaftsökologie an der Universität Kassel von 2005–2007

Standort

Quellen

DR. U.-E. DORSTEWITZ + PARTNER: Managementmaßnahmen zum Artenschutz im Diabas-steinbruch Wolfshagen, Erfassung, vergleichende Untersuchungen früherer Aufnahmen und Definition von Schutzmaßnahmen für gefährdete Arten unter besonderer Berücksichtigung der Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), erstellt im August 2002.

HARTMANN-SCHRÖDER G. & G. HARTMANN (2002): Bemerkungen zur Amphibien- und Reptilienfauna des Oberharzes und seines nördlichen Vorlandes, in: Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Goslar (Hg.). Bd. 7, Goslar

GROPE, WILLI: Fotodokumentation seit 1992.KÄTZEL, ANKE: Fotodokumentation im Sommer 2002.