Lentschow

Eine ausgezeichnete Kiessandgrube mit eiszeitlicher Vorgeschichte

  • Kleines Flachgewässer mit Röhrichtbestand im grundwassernahen Sohlenbereich des aufgelassenen Kiessandtagebaus Lentschow (Foto: Dorothée Kunze)
    Kleines Flachgewässer mit Röhrichtbestand im grundwassernahen Sohlenbereich des aufgelassenen Kiessandtagebaus Lentschow (Foto: Dorothée Kunze)
  • Panoramablick nach Südwesten vom Rand der jungen Aufforstung an der Oberkante der Kiessandgrube zur gegenüberliegenden Waldentwicklungszone am Kiefernaltwald (Foto: Dorothée Kunze)
    Panoramablick nach Südwesten vom Rand der jungen Aufforstung an der Oberkante der Kiessandgrube zur gegenüberliegenden Waldentwicklungszone am Kiefernaltwald (Foto: Dorothée Kunze)
  • Ablage von Findlingen als Steinhaufen – u. a. Lebensraum der Zauneidechse sowie nachgewiesener Neststandort der Mauerbiene (Foto: Angelika Alexowsky)
    Ablage von Findlingen als Steinhaufen – u. a. Lebensraum der Zauneidechse sowie nachgewiesener Neststandort der Mauerbiene (Foto: Angelika Alexowsky)
  • Junge Laubholzaufforstung im Osten der Kiessandgrube mit dichter trockenwarmer Staudenflur (Foto: Angelika Alexowsky)
    Junge Laubholzaufforstung im Osten der Kiessandgrube mit dichter trockenwarmer Staudenflur (Foto: Angelika Alexowsky)

Lage und Abbau

Im Nordosten des Landes Mecklenburg-Vorpommern, im Landkreis Vorpommern-Greifswald und nordöstlich von Anklam, hat die Basalt AG bis zum Jahr 2005 Sedimente der jüngeren quartären Schmelzwassersande im Kiessandtagebau Lentschow gewonnen. 

Panoramablick nach Osten über den wechselfeuchten Grubensohlenteil zu den offenen, kiesig-sandigen Endböschungen (Foto: Dorothée Kunze)

Das Bergwerksfeld Lentschow befindet sich geologisch im Vorland der äußeren Randschuttzone des Mecklenburger Stadiums der quartären Weichsel-Kaltzeit, die aus einer Zone von Wechsellagerungen von Geschiebelehm, Kiesen und Sanden besteht. Naturraumprägende Grundmoränenebenen sind in diesen Bereichen nördlich von Anklam nach dem Auftauen des sogenannten Rosenthaler Eisvorstoßes zurückgeblieben. Randlich überdecken jüngere Schmelzwassersande, die aus dem nachfolgenden Eisvorstoß der Velgaster Staffel stammen, die Grundmoränen. Durch oszillierende Eisrandlagen hat sich im Raum Lentschow ein Sandersaum herausgebildet, der eine abbauwürdige Lagerstätteneignung mit kiesigen Mittelsanden bildete, deren Grobkornanteil vom Hangenden zum Liegenden abnimmt.

Der Kiessandabbau fand innerhalb eines planfestgestellten Bergwerksfeldes in einem regionalplanerisch gesicherten Vorranggebiet für Rohstoffe statt, wovon jedoch nur Teilflächen abgebaut wurden. Der südliche Teil, das sogenannte Südfeld, liegt unmittelbar südlich der Kreisstraße K 32 in Richtung Lassan. Dieser Tagebauteil hat die Lagerstättengrenze der ausgewiesenen Kiessandhöffigkeit nach Südosten erreicht; die Abbaufläche ist im Trockenabbau seit 2005 erschöpft und hinterließ einen unverfüllten, struktur- und reliefreichen Hohlkörper mit endböschungssicheren Randflächen inkl. Schutzabständen zu den Nachbarnutzungen Wald, Ackerland, Ortslage mit Sportplatz und Straße. Die ehemals mit Radladern im Hochschnitt gewonnene, ca. 8 m mächtige Sedimentböschung hatte Bereiche der Lagerstätte Lentschow mit einem kiesarmen bis kieshaltigen Mittelsand über dem Schutzabstand zum Grundwasserniveau aufgeschlossen. Die Aufbereitung der Rohstoffe erfolgte über eine semimobile Anlage (Angaben aus dem obligatorischen Rahmenbetriebsplan (2000) und Abschlussbetriebsplan Kiessandtagebau Lentschow (2005)). 

Im bergrechtlich zugelassenen obligatorischen Rahmenbetriebsplan und im Abschlussbetriebsplan sind die landschaftspflegerischen Maßnahmen und die naturräumliche Einbindung der Grube bestimmt, die der vorrangigen Folgenutzung Naturschutz dienen sollen. Die Ziele der Renaturierung des Kiessandtagebaus wurden mit der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises eng abgestimmt. 

Standort und Standortbedingungen

Die Vornutzung des ca. 1960 beginnenden und erst in kleinerem Umfang aufgeschlossenen Kiessandtagebaus Lentschow war auf landwirtschaftliche Tätigkeit auf sandigen Böden mit geringen Ackerwertzahlen von 26 bis 27 ausgerichtet. Als potentielle natürliche Vegetation würden sich auf diesen nährstoffarmen und grundwasserfernen Böden mit hoher Wasserdurchlässigkeit kiefernreiche Laubmischwälder einstellen. 

Rekultivierungskonzept des Kiessandtagebaus Lentschow-Südfeld (Quelle: Basalt AG, Abschlussbetriebsplan 2005, zeichnerisch ergänzt durch Angelika Alexowsky, 2011)

Landschaft, Folgenutzung und Lebensräume

Die aufgelassene Kiessandgrube liegt in der Landschaftszone Vorpommersches Flachland und hier im nördlichen Teil des Landschaftsschutzgebietes „Unteres Peenetal und Peene-Haff“. Das umweltverträglich gestaltete Restloch mit seinen umgesetzten naturnahen Maßnahmen ist Teil des Naturraums im Lassaner Winkel, dem ruhigen Festland mit reizvoller, agrarisch geprägter Landschaft und kleinen Orten westlich der Touristenhochburg Usedom und des Peenestroms.

Reliefreiche aufgelassene Tagebaustrukturen und wechselfeuchte Grubensohle mit Weidengebüschsukzession (Foto: Dorothée Kunze)

Aus dem zuerst intensiv bewirtschafteten Ackerland ist durch die Abbautätigkeit ein vielfältig strukturiertes, durch Sukzession sowie durch spezielle und umfangreiche Pflanzmaßnahmen aufgewertetes Restloch verblieben, das mit dem Verbleib von nährstoffarmen, kiesig-sandigen Böden auf reliefreichem Untergrund und unterschiedlichen Böschungsneigungen weiterer Sukzession ausgesetzt ist. Einige Steinhaufen aus naturraumtypischen und großen eiszeitlichen Findlingen wurden zur Lebensraumgestaltung aufgeschichtet.

Fahrspuren mit temporärer Rückhaltung von Niederschlagswasser stellen bereits schon in aktiven Tagebauen Lebensräume für eine spezielle Fauna und Flora dar (Foto: Dorothée Kunze)
Das vom Aussterben bedrohte Ungarische Habichtskraut (Hieracium bauhini) hat sich auf nährstoffarmem, kiesigem Pionierstandort angesiedelt (Foto: Angelika Alexowsky)
Die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium) kommt als typische Art offener Sandböden in der Grube relativ häufig vor (Foto: Angelika Alexowsky)

Im Laufe des relativ kurzen Sukzessionsstadiums hat sich seit Auflassung der Grube ein vielfältiges Mosaik an sich verzahnenden Biotopen mit wertbestimmenden Eigenschaften herausgebildet. Neben überwiegend trockenen, lückigen und blütenreichen Staudenfluren und offenen Trockenrasenabschnitten kommen im südwestlichen Grubenteil grundfeuchte Wechselzonen sowie in der Nähe des Grundwasseranschnitts auch ein Flachtümpel mit Röhricht vor. Als sehr bedeutender Fund wird das in nur wenigen Exemplaren vorkommende Ungarische Habichtskraut (Hieracium bauhini) bewertet, eine in Mecklenburg-Vorpommern vom Aussterben bedrohte Art (Rote Liste 1).

Daneben haben sich weitere typische Arten auf den bergbaulich entstandenen und trocken geprägten Sonderstandorten angesiedelt, u. a. Feld-Beifuß (Artemisia campestris), Acker-Filzkraut (Filago arvensis), Milder Mauerpfeffer (Sedum sexangulare), Gewöhnliche Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre), Frühlings-Greiskraut (Senecio vernalis), Quendel-Sandkraut (Arenaria serpyllifolia), Wilde Möhre (Daucus carota), Kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella) und Hasen-Klee (Trifolium arvense). 

Oberhalb der Oberkante der aufgelassenen Kiessandgrube wurden mehr als 2 ha große Auffors­tungs- und sonstige Pflanzungsflächen geplant und umgesetzt: im Osten eine flächige, artenreiche Laubholzaufforstung, im Westen eine Waldrandentwicklungszone zum bestehenden Altwald.

Der das Restloch vollständig umschließende Schutzzaun einschließlich der innen liegenden Gehölzflächen mit dornigem Gebüschrand stellen einen Zugangsschutz gegen eine illegale Freizeitnutzung dar; der flache, zugewachsene Tümpel auf der Grubensohle ist zudem nicht zur Badenutzung geeignet. 

Eine eingerichtete Möglichkeit zur Naturbeobachtung in das Restloch hinein ergibt sich aus Richtung Nordwesten: Hier kann das in den Naturraum eingebundene gestaltete Areal beobachtet werden (Standort: ehemalige Grubenzufahrt an der Kreisstraße K 32).

Tierwelt

Die im Grubengebiet vorkommenden vegetations- und nährstoffarmen Rohböden, seltene Sonderstandorte in der ansonsten eher reichere Böden aufweisenden Grundmoränenlandschaft Vorpommerns, werden von einer relativ artenarmen, aber speziellen und anspruchsvollen Tierwelt besiedelt. 

Im Jahr 2011 untersuchten Mitglieder der Fachgruppe Entomologie des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) in Greifswald den ehemaligen Kiessandabbau. Dabei standen ausgewählte Familien aus den Ordnungen der Käfer, Hautflügler und Schmetterlinge im Mittelpunkt des Interesses.

Hautflügler (Hymenoptera)

Zu den Besonderheiten unter den 32 bisher nachgewiesenen Wildbienenarten in der Kiessandgrube Lentschow zählen gleich drei Mauerbienenarten. Zwei von ihnen legen ihre Nester ausschließlich in leeren Schneckenhäusern an. Eine der beiden Arten, Osmia spinulosa, ist in Norddeutschland äußerst selten und wurde in  Mecklenburg-Vorpommern erst zum zweiten Mal nachgewiesen. 

Die Kreiselwespe (Bembix rostrata) gräbt ihre Bauten in vegetationsfreien, stark besonnten Böden. Als Larvennahrung werden Fliegen eingetragen. Ein Weibchen versorgt gleichzeitig mehrere Nester. (Foto: Hans-Joachim Jacobs)
Im Sommer sind auf den Blüten regelmäßig Goldwespen zu finden. Im Gebiet der Kiesgrube konnten bisher zwölf Goldwespenarten gefunden werden. Die abgebildete Hedychrum gerstaeckeri lebt als Schmarotzer bei verschiedenen Grabwespenarten. (Foto: J.-Christoph Kornmilch)
Die Schwarzgesichtige Sandbiene (Andrena nigroaenea) ist eine von mehreren Sandbienenarten, die in der Kiesgrube sehr gute Nist- und Nahrungsbedingungen findet

Eine weitere bemerkenswerte Mauer­bienenart ist Osmia anthocopoides. Die Biene baut aus feuchtem Lehm kleine Nester an Findlingen. Da in der Kiesgrube Lentschow sowohl Findlinge wie auch ihre einzige Nahrungspflanze, der Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare), reichlich vorhanden sind, ist die ansonsten seltene Bienenart auf der Fläche in einer stabilen Population zu finden. Darüber hinaus konnten neun Hummelarten auf der Fläche nachgewiesen werden, darunter die seltene Veränderliche Hummel (Bombus humilis) und die Grashummel (Bombus ruderarius).

Eine herausragende Bedeutung besitzt die Kiessandgrube für die Grabwespenfauna. Insgesamt konnten 27 Arten nachgewiesen werden. Sehr bemerkenswert ist der hohe Anteil von Arten (10 von 27, ca. 37 %), die in den Roten Listen von MV und/oder Deutschland mit einem Gefährdungsstatus belegt sind. Besonders wertvoll ist das Vorkommen der Kreiselwespe (Bembix rostrata), die in der Roten Liste für MV als vom Aussterben bedroht geführt wird. Sie ist die einzige gesetzlich geschützte Grabwespenart in Deutschland. Die festgestellte Kolonie hat sich entgegen allen Erwartungen nicht an den in der Grube befindlichen freien Sandhügeln etabliert, sondern an einer freien Stelle im mit Laubbäumen bepflanzten nordöstlichen Teil der Sandgrube. Für Deutschland als im Bestand gefährdet sind weitere sechs hier lebende Arten eingestuft. Das verdeut­licht den hohen landeskulturellen Wert dieses Lebensraums.

Insgesamt zwölf von den 56 in Mecklenburg-Vorpommern gefundenen Goldwespenarten (Chrysididae) konnten ebenfalls nachgewiesen werden, darunter die in Deutschland als gefährdet geltende Chrysis bicolor. Goldwespen zählen durch ihre metallisch glänzenden Farben wohl zu den schönsten Hautflüglern überhaupt. 

Aus feuchtem Lehm baut die Mauerbiene Osmia anthocopoides ihre kleinen Nester an Findlingen (Foto: J.-Christoph Kornmilch)

Käfer (Coleoptera)

In der Kiesgrube konnten insgesamt 45 Käferarten nachgewiesen werden. Die Erscheinungszeit vieler Insekten ist nur kurz und bei phytophagen (pflanzenfressenden) Arten oft auf bestimmte Wachstumsphasen wie Blüte- oder Fruchtzeit beschränkt, zu welcher die Tiere auf den jeweiligen Wirtspflanzen zu finden sind.

Es gelang der Fang von einigen bemerkenswerten Arten, die entweder auf der Roten Liste Deutschlands zu finden sind oder als Wiederfunde nach längerer Zeit ohne Nachweis gelten.

Der kleine Schnellkäfer (Negastrius sabulicola) lebt zwischen Grasbüscheln, Kies und Steinen (Foto: Holger Ringel)

Im Wesentlichen spiegeln die Arten das Stadium der frühen Sukzession wider. Nur drei der Arten können als Waldarten bezeichnet werden. Zu diesen gehören der Hainlaufkäfer (Carabus nemoralis) und der Goldglänzende Rosenkäfer (Cetonia aurata). Beides sind jedoch Tiere, die sich bevorzugt an lichten Stellen im Wald aufhalten – sie sind sogenannte Waldrand­arten, die eine Präferenz für den Wald-Offenland-Übergangsbereich haben. Besonders der Rosenkäfer ist im Sommer als auffälliger Nahrungsgast an den Blüten von großen Doldenblütlern zu finden.

An den offenen Stellen am Böschungsfuß, auf den Kies- und Sandflächen, tritt der Kopfkäfer (Broscus cephalotes, aus der Familie der Laufkäfer) auf. Er gräbt sich am Tage im lockeren Boden oder unter Steinen ein. Tagaktiv ist hingegen der Kupferbraune Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida), der in den gleichen Habitaten lebt. Auf offenem Boden zwischen der schütteren Vegetation sind die Schwarzkäfer Melanimon tibiale und Crypticus quisquilius zu finden. Der Rüsselkäfer Philopedon plagiatus besitzt an den Spitzen seiner Vorderschienen lappige Verbreiterungen, mit denen er besser laufen und graben kann. Eine sehr kleine Art in diesem Lebensraum ist der Schnellkäfer Negastrius sabulicola. Er gehört zu den gefährdeten Arten der Roten Liste Deutschlands, da er überall nur noch selten gefunden wird. Ebenfalls eine gefährdete Art ist der Maiwurm oder Ölkäfer (Meloe proscarabaeus). Im Gegensatz zu den meisten verwandten Arten seiner Gattung, die in Mecklenburg-Vorpommern als ausgestorben gelten, ist er gelegentlich an trockenwarmen Plätzen mit lückiger Vegetation noch anzutreffen.

Die höhere Pioniervegetation wird in der Kiesgrube stellenweise von Ruderalfluren aus Steinklee (Melilotus) und Natternkopf (Echium vulgare) eingenommen. Hier sind etliche Rüsselkäfer anzutreffen, die oligo- oder monophag sind, d. h., sie entwickeln sich entweder nur auf einer einzigen Pflanzenart (monophag) oder nur auf wenigen, nahe verwandten Arten, die meist zu einer Gattung gehören. Zu diesen gehören bspw. Tychius meliloti, Stenopterapion meliloti oder Sitona cylindricus – allesamt Arten, für die es aufgrund ihrer geringen Körpergröße von wenigen Millimetern keinen deutschen Namen gibt. Auf dem Natternkopf dieses Habitates lebt der kleine Glanzkäfer (Meligethes tristis), der ein naher Verwandter des allenthalben häufigen und auch in der Kiesgrube vorkommenden Rapsglanzkäfers (Meligethes aeneus) ist.

Wird die Vegetation noch dichter, sind dort verschiedene Phyllobius-Arten (Grünrüssler) zu finden. Die stellenweise auftretende Große Brennnessel hat mit Nedyus quadrimaculatus einen typischen Bewohner aufzuweisen.

Schmetterlinge (Lepidoptera)

Aufgrund ihrer Mobilität und der oft strengen Bindung an bestimmte Pflanzenarten und Lebensräume sind Schmetterlinge hervorragende Bioindikatoren. Sie reagieren sehr schnell auf Vegetationsentwicklungen und Veränderungen ihrer Habitatstrukturen. 

Vom Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia) hat sich eine kleine Population in den nordöstlichen Randzonen der Kiessandgrube etabliert; hier leben seine Larven an Spitzwegerich. Ein ausreichendes Angebot an Blütenpflanzen ist aber ebenso wichtig für die Art (Foto: Volker Wachlin)

Aus der Gruppe der Tagfalter wurden 2011 insgesamt 27 Arten nachgewiesen. Ein großer Teil wird dabei von den allgegenwärtigen Ubiquisten gestellt, die das Gebiet meist nur überfliegen bzw. zur Nahrungssuche frequentieren, so die drei Kohlweißlingsarten, das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, der Distelfalter und der Admiral. Letztere können sich aber auch an einigen wenigen Störstellen des Grubengeländes (z. B. Lesesteinhaufen mit Bewuchs von Brennnessel, Ackerkratzdistel und Gewöhnlichem Natternkopf) entwickeln. Insbesondere der Natternkopf ist ein bei vielen Insekten beliebter Nektarspender, an dem sich auch die Larven eines zu den Grasminiermotten zählenden Kleinschmetterlings (Ethemia bipunctella) entwickeln.

Einige Waldarten nutzen zur Nektaraufnahme ebenfalls das Blütenangebot der Sandgrube, das sich insbesondere in den schon stärker mit Vegetation bedeckten Randzonen im Norden und Osten der Kiessandgrube etabliert hat. Hier haben sich auch bereits einige wärme- und trockenheitsliebende Arten angesiedelt, die trockene und magere Grasländer bevorzugen, wie der Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia) und der Kleine Sonnenröschenbläuling (Aricia agestis). Beide Arten werden in der Roten Liste des Landes Mecklenburg-Vorpommern als gefährdet geführt. Mit dem Weißklee-Gelbling (Colias hyale), dem Kleinen Feuerfalter (Lycaena phlaeas), dem Schornsteinfeger (Aphantopus hyperantus), dem Großen Ochsenauge (Maniola jurtina) und dem Schachbrettfalter (Melanargia galathea) kommen weitere typische Bewohner des Offengrünlands hier vor, deren ökologische Amplitude aber größer ist, sodass sie nicht nur auf solchen Trockenstandorten zu finden sind. Bemerkenswerterweise konnten auch zwei Bewohner von Feuchtlebensräumen beobachtet werden. Während der Aurorafalter (Anthocharis cardamines) sicher nur als Nahrungsgast aus den gebietsnahen angrenzenden Feuchtlaubwaldflächen anzusehen ist, dürfte der Spiegelfleck (Heteropterus morpheus) in den Uferzonen des Kleingewässers in der Grubensohle einen ihm zusagenden Lebensraum gefunden haben.

Bei den Exkursionen konnten auch noch weitere bemerkenswerte und lebensraumtypische Arten aus der Gruppe der Nachtfalter beobachtet werden, die ebenfalls als landesweit gefährdet gelten: der Blutbär (Tyria jacobaeae), der Gestreifte Grasbär (Spiris striata), das Blassstirnige Flechtenbärchen (Eilema pygmaeola) und das Sandstrohblumeneulchen (Eublemma minutata). Insbesondere die beiden letzten Falter sind Zeigerarten für vegetationsarme, sandige Rohbodenstandorte, wo ihre Larven an Sand- und Steinflechten bzw. an der Sandstrohblume leben.

Übrige Tierwelt

Während der entomologischen Exkursionen gelangen einige mitteilenswerte Beobachtungen aus anderen Tiergruppen. Das sehr strukturreiche Kleingewässer wird bereits von mehreren Libellenarten besiedelt, darunter der Vierfleck (Libellula quadrimaculata). Auf dem gesamten Grubengelände traten Heideschnecke (Xerolenta obvia) und Hainschnirkelschnecke (Cepaea nemoralis) sehr häufig auf: Praktisch alle größeren Staudenpflanzen, insbesondere der Feld-Beifuß (Artemisia campestris), waren dicht mit den Schneckengehäusen belegt.

Der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) wurde im Flachgewässer nachgewiesen (Foto: Dorothée Kunze)

In dem Kleingewässer laichen Gras- und Teichfrösche, die auf dem Grubengelände auch zusagende Sommerlebensräume finden. Bemerkenswert sind auch die charakteristischen Rufe der Feldgrille (Gryllus campestris) im Sommer. Erstaunlicherweise ertönen aus den noch sehr jungen Aufforstungsflächen auch immer wieder die aufgeregten Warnrufe des Neuntöters.

Auszeichnung

Erstmalig wurde im Jahr 2009 durch das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern ein Rekultivierungspreis vergeben, der als Schnittstelle zwischen wirtschaftlicher Tätigkeit und der Pflege und dem Schutz der natürlichen Umwelt gesehen wird (Pressemitteilung lt. agrar-presseportal.de vom 21.09.2009). 

Die Basalt AG wurde mit dem 2. Preis im Rahmen des Landeswettbewerbs für vorbildlich durchgeführte Rekultivierungsmaßnahmen in der Grube Lentschow ausgezeichnet. Mit der Preisvergabe wurden die Schaffung von abwechslungsreicher Morphologie und biologischer Vielfalt, die Herrichtung von Sonderbiotopen wie Lesestein- und Totholzhaufen sowie die laubholzreiche Aufforstung gewürdigt. Die Bestätigung des aufgelassenen Abbaustandorts Lentschow als besonderer Lebensraum für geschützte Tier- und Pflanzenarten mit hohem Naturschutzwert wurde – im Auftrag der Basalt AG – durch eine fachspezifische Nachschau im Jahr 2011 erlangt. 

Die Autoren

Angelika Alexowsky,
Dipl.-Geologin

Studium 1971–1973 in Baku/Aserbaidschan, Studium und Abschluss als Diplom-Geologin 1973–1976 in Freiberg/Sachsen; 1994 Zusatzstudium der Geobotanik an der TU Dresden. Bis 1990 Tätigkeit in der Erkundung von Rohstoffen, ab 1990 Projektleiterin für Geoökologie in einem Ingenieurbüro in Freiberg/Sachsen, ab 1994 freiberufliche und Beratende Ingenieurin mit Schwerpunkt Rekultivierung von Bergbauflächen.

Volker Wachlin,
Dipl.-Mathematiker

Studium 1969–1987 in Greifswald, Abschluss als Diplom-Mathematiker; 1987 – 1991 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Akademie der Landwirtschafts-wissenschaften. Seit 1991 im I. L. N. Greifswald (Institut für Landschaftsökologie und Naturschutz GbR); Arbeitsschwerpunkte: Zoologie, Tierökologie, Landschaftsökologie und Naturschutzforschung.

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