Basalttagebau Bischofsheim

Rohstoffsicherung und Naturschutz

  • Abb. 1: Waldmeister-Buchenwald auf sogenanntem Blockmeer (Foto: Beil)
    Abb. 1: Waldmeister-Buchenwald auf sogenanntem Blockmeer (Foto: Beil)
  • Abb. 10: Liegendes und stehendes Totholz, in dem sich Großinsekten befinden, die eine häufige Nahrungsquelle für den Mittelspecht darstellen (Foto: Beil)
    Abb. 10: Liegendes und stehendes Totholz, in dem sich Großinsekten befinden, die eine häufige Nahrungsquelle für den Mittelspecht darstellen (Foto: Beil)

Natura-2000-Schutzgebiet

Die Gewinnung hochwertiger gebrochener Gesteinskörnungen neigte sich zu Beginn dieses Jahrhunderts im Basalttagebau Bischofsheim an der Rhön stark dem Ende zu. Mithilfe eines intensiven Rohstofferkundungsprogramms konnte entgegen zahlreicher vorangegangener Gutachten ein beträchtlicher Rohstoffvorrat in unmittelbarer Nachbarschaft zum Tagebau nachgewiesen werden. Nach detaillierter Auswertung der Erkundungsergebnisse und weitreichenden Planungen diverser Abbau- und Verfüllungsvarianten wurden am 15.12.2009 die Genehmigungsunterlagen für den Abbau bei der zuständigen Behörde eingereicht.

Die Genehmigung wurde am 24.06.2010 erteilt und die Basaltgewinnung im Basalttagebau Bischofsheim auf einer Fläche von rund 28 ha für weitere vier Jahrzehnte gesichert. Ein großer Teil dieses Erweiterungsgebietes befindet sich im Natura-2000-Schutzgebiet (Vogelschutz- und Fauna-Flora-Habitat(FFH)-Gebiet) „Bayerische Hohe Rhön“, im Landschaftsschutzgebiet „Bayerische Rhön“ sowie im Biosphärenreservat Rhön (Pflegezone). Für die Umsetzung des Erweiterungsvorhabens wurde ein vielfältiges Ausgleichs- und Kompensationskonzept in Abstimmung mit Behörden und Verbänden entwickelt, welches die Funktionsfähigkeit des Natura-2000-Gebiets während und nach der Rohstoffgewinnung gewährleistet.

Abb. 2: Lage der beiden Steinbrüche Bischofsheim 1 „Stengerts“ und Bischofsheim 2 „Bauersberg“ (Bildbreite: ca. 5 km, genordet, Quelle: Geobasisdaten © Bayerische Vermessungsverwaltung 2009)

Basaltgewinnung in der Rhön

Der aktive Basalttagebau am Bauersberg befindet sich zwei Kilometer nordöstlich der Stadt Bischofsheim an der Rhön im Landkreis Rhön-Grabfeld, Regierungsbezirk Unterfranken (Abb. 2). Die Basaltlagerstätte befindet sich am südlichen Ausläufer der Langen Rhön. Die geologische Basis des Gebietes bilden triassische Sedimentgesteine, die sich aus Buntsandstein- und Muschelkalkschichten aufbauen. Darüber wurden in der geologischen Periode des Tertiärs (vor 3  bis 65  Mio. Jahren) Tone und Kohlen abgelagert. Der Vulkanismus in der Rhön ist ca. 18  bis 22 Mio. Jahre alt und wird ebenfalls dem Tertiär zugeordnet. Auch der Bauersberg war geprägt von vulkanischen Ereignissen. Nach umfangreicher Magmenförderung erkaltete die Lava zu Basalt. Die Magmen drangen dabei oft nur bis in Oberflächennähe, ohne dass es zu Eruptionen kam. Durch die darauf folgende Erosion der weicheren auflagernden Sedimentgesteine im südlichen und östlichen Teil der Lagerstätte kam schließlich der härtere Basalt zum Vorschein. Heute erschließt der Tagebau einen solchen Basaltkörper. Die Widerstandsfähigkeit des Gesteins Basalt zeigt sich u. a. auch dadurch, dass die höchsten Gipfel der Rhön, wie z. B. Wasserkuppe, Dammersfeldkuppe und Kreuzberg, aus basaltischem Gestein bestehen und die unterlagernden Sedimentgesteine vor der Abtragung schützen.

Abb. 3: Ehemalige Strecke aus dem Braunkohleabbau in der Rhön; Aufschluss während der Abraumarbeiten 2010 im Basalttagebau Bischofsheim (Foto: Papelitzky)

Der Basaltabbau in der Rhön begann um die vorletzte Jahrhundertwende, was auf die wachsende Bedeutung des Eisenbahnverkehrs zu dieser Zeit zurückzuführen ist. Der Basaltabbau am Stengerts (Bischofsheim 1), begonnen als Familienbetrieb im Jahre 1889, war einer der ersten Gewinnungsbetriebe der Rhön. Am Bauersberg (Bischofsheim 2) fing im Jahr 1900 die Produktion von Pflastersteinen an. Seit jeher ist der Basaltabbau somit fester industrieller Bestandteil der Stadt Bischofsheim. 1955 wurde am Bauersberg das erste Werk zur Produktion von Gesteinskörnungen errichtet.1970 wurde der Tagebau Stengerts stillgelegt und der Abbau konzentrierte sich fortan auf den Bauersberg. Die bergbaulichen Wurzeln in der Rhön liegen sogar noch weiter zurück: Die ersten Überlieferungen einer Braunkohlengewinnung deuten auf das Jahr 1521 hin. In der unverwertbaren Überdeckung des Basalts vom Bauersberg, dem Abraum, zeugen noch heute Schächte und Hunte (Förderwagen) von der Gewinnung der Braunkohle (Abb. 3). 

Die zukünftige Gewinnung am Bauersberg sieht in einem ersten Schritt eine Erweiterung Richtung Norden vor. Im zweiten Abschnitt wird die Abbaurichtung anschließend nach Osten schwenken. Der anfallende Abraum wird in die bereits ausgesteinten Bereiche des Tagebaus verfüllt.

Naturschutzfachliches Ausgleichskonzept

Die übertägige Basaltgewinnung stellt einen intensiven Eingriff in die Natur dar. Aus diesem Grund wurde seitens der Basalt-Actien-Gesellschaft ein umfangreiches Maßnahmenkonzept entwickelt, das diesen Eingriff naturschutzfachlich ausgleicht. Dem Eingriff auf rund 28 ha stehen zum Ende des Gewinnungsbetriebes Ausgleichs- und Kompensationsflächen mit einer Größe von ca. 136 ha gegenüber, auf denen punktuelle oder flächige Maßnahmen zur Förderung der Natur durchgeführt werden.

Die Maßnahmen und Flächen stehen in der Regel in räumlich-funktionalem Zusammenhang mit dem FFH-Gebiet. Bei dem Konzept handelt es sich um sogenannte Kohärenzsicherungsmaßnahmen, die darauf abzielen, für betroffene Lebensraumtypen und Arten an anderer Stelle eine Verbesserung ihres Erhaltungszustands zu erreichen.Die Maßnahmen gleichen die negative Wirkung im Bereich des Gewinnungsvorhabens aus, indem in der näheren Umgebung für diese Arten ein gleichwertiger Ersatz geschaffen wird. Im Ergebnis ist der Erhaltungszustand als gleichwertig oder verbessert für die durch die Rohstoffgewinnung betroffenen Lebensräume und Arten anzusehen.

Die vorgesehenen Maßnahmen ergänzen sich und übernehmen oft parallel mehrere Funktionen:

  • naturschutzfachlicher Ausgleich im Rahmen der Eingriffsregelung
  • vorgezogene artenschutzrechtliche Schutz- und Ausgleichsmaßnahmen
  • Sicherung und Stabilisierung des günstigen Erhaltungszustands von Arten und Lebensräumen des Natura-2000-Gebietes „Bayerische Hohe Rhön“
  • forstliche Maßnahmen

Im Folgenden werden einige Beispiele zur Umsetzung der oben genannten Maßnahmen erläutert.

Maßnahmen im Tagebau am Bauersberg

Abb. 4: Rekultivierungskonzept und Ausgleichsmaßnahmen innerhalb des Basalttagebaus Bischofsheim (Quelle: Dietz + Partner)

Das Rekultivierungskonzept innerhalb des Tagebaus sieht ein Standortmosaik vor, das von Steilwänden und Wasserflächen geprägt sein wird, die nach der Einstellung des Betriebs ohne weitere Maßnahmen der Sukzession überlassen werden (Abb. 4). Zusätzlich wird ein Teil des Tagebaus bereits während des Abbaus mit Abraum verfüllt und ebenfalls der Sukzession überlassen. Aktiv werden im Bereich des Tagebaus Wiesenflächen, naturnaher Wald, Hecken sowie Hutungsflächen angelegt, um einen möglichst abwechslungsreichen Standort zu schaffen.

Ausgleichsmaßnahmen außerhalb des Tagebaus am Bauersberg – alter Steinbruch Stengerts

Im Tagebau Stengerts am Südhang des Holzberges wurde über Jahrzehnte hochwertiger Basalt gewonnen. Nach der Stilllegung in den 1970er-Jahren hatte die Natur wieder das Sagen im Steinbruch. 

Abb. 5: Magerrasenvegetation – Thymianpolster auf der ehemaligen Gewinnungssohle (Foto: Beil)

Die Gewinnungssohlen, die durch markante Basaltsäulenwände getrennt sind, haben sich durch unterschiedliche Belichtung und Durchfeuchtung auf verschiedene Weise entwickelt und stellen ein Musterbeispiel für Sukzessionsgesellschaften dar. Ein ähnliches Bild wird vermutlich im Basalttagebau Bauersberg entstehen (Abb. 5). 

Die untere Abbausohle, im Waldschatten gelegen, verbuscht vom Rand her. Die mittlere Abbausohle zeigt einen Wechsel offener und geschlossener Vegetation. Am Fuß der Steilwände bildeten sich Tümpel mit Binsen und Seggen, die zeitweilig austrocknen. Für Gelbbauchunke (Bombina variegata) und Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) wurden Kleingewässer ausgedehnt und vertieft. Am Waldrand wurden früher zwei Gewässer angelegt. Hier leben Berg- (Triturus alpestris), Teich- (Triturus vulgaris) und Kammmolch (Triturus cristatus). Vom Kleinen Sauerampfer (Rumex acetosella) ernährt sich der seltene Violette Feuerfalter (Lycaena alciphron).

Abb. 6: Heterogene und vielfältige Standortbedingungen auf einer Abraumhalde (Foto: Beil)
Abb. 7: Steilwände und Blockschutthalden im Steinbruch Stengerts. Die Beweidung der Magerrasen im Bildvordergrund wird durch Ziegen gewährleistet (Foto: Beil)

Die Schuttfächer am Hangfuß sind teils aus Feinschutt, teils aus Grobschutt gebildet. Dieser Ablagerungsbereich begünstigt aufkommende Pioniergehölze wie Weiden (Salix div. spec.), Birken (Betula pendula), Zitterpappeln (Populus tremula) und auch Waldkiefern (Pinus sylvestris). Neben bereits bewaldeten ehemaligen Abraumhalden zeigt sich eine etwas steilere Abraumhalde, die bis heute kaum bewachsen ist. Der Halden- und Hangschuttkomplex stellt somit einen heterogenen, biologisch vielfältigen Standort dar (Abb. 6). 

Die natürliche Entwicklung im Lebensraum „Alter Steinbruch Stengerts“ wurde gelenkt und der natürlichen Wiederbewaldung entgegengewirkt. Nach einer vorsorglichen Entbuschungsmaßnahme erfolgte eine Beweidung mit naturschutzfachlichem Hintergrund. Bei dieser Maßnahme kamen Ziegen zum Einsatz, welche die aufkommenden Gehölze kurz hielten (Abb. 7). Fels und Hangschutt boten aber für die vierbeinigen Landschaftspfleger so viel Abwechslung, dass sie mitunter ihre Pflichten vergaßen. Die Beweidung wird unter fachlicher Aufsicht der Unteren Naturschutzbehörde in regelmäßigen Abständen bei Bedarf wiederholt.

Maßnahmen für den Artenschutz – Förderung von Fledermausarten

Im näheren Umfeld des Basalttagebaus Bauersberg wird Fledermausarten wie der Bechstein- (Myotis bechsteinii), der Mops- (Barbastella barbastellus), der Fransen- (Myotis nattereri) und der Zwergfledermaus (Pipistrellus pipistrellus), dem Großen Mausohr (Myotis myotis) und dem Großen Abendsegler (Nyctalus noctula) Lebensraum geboten. 

Um die Tiere in der Brutzeit zu schützen, werden mögliche Baumquartiere nur in bestimmten Zeiten gefällt, nachdem entsprechende Quartierhilfen angeboten wurden. Der Weisbachstollen im Osten des Tagebaus wurde im Rahmen des bestehenden Abbaus aufgeschlossen. Der Zugang des Stollens wurde für Personen durch eine Türkonstruktion verschlossen, in der sich eine 20 x 5 cm große Einflugschneise für Fledermäuse befindet (Abb. 8).

Abb. 8: Weisbachstollen, der bei der Abbautätigkeit freigelegt wurde. Er dient als Fledermausquartier (oben: Außenansicht; neben der Eingangstür befindet sich ein Spalt (20 x 5 cm) als Einflugschneise für die Fledermäuse; unten: Innenansicht; ein ehemaliger Braunkohlestollen (1 x 1,5 m), in dem die Fledermäuse überwintern können.), (Fotos: Deckert)

Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme Mittelspecht (Continuous Ecological Functional Measures/CEF)

CEF-Maßnahmen werden vor einem Eingriff in die Natur durchgeführt und stehen mit diesem in direkter funktionaler Beziehung. Die Maßnahmen verbessern an anderer Stelle die Bedingungen für die betroffenen Lebensraumtypen und Arten und gleichen somit den Eingriff in der Gesamtbilanz aus. Am Bauersberg wird eine solche Maßnahme für ein durch den Eingriff des Rohstoffabbaus betroffenes Mittelspechtrevier angewandt. Der geschützte Mittelspecht (Picoides medius) bevorzugt Baumbestände mit grober, rissiger Rinde und hohen Totholzanteilen. Diese Eigenschaften findet er vor allem in Eichen (Quercus spec.), aber auch in Winterlinden (Tilia cordata), Elsbeeren (Sorbus torminalis) oder Schwarzerlen (Alnus glutinosa). Sie bieten mit Großinsekten eine entsprechende Nahrungsgrundlage.

Abb. 9: Lage des Jagdhabitats (10 ha, blau) für den Mittelspecht in der Gemeinde Sondheim mit fünf Totholzinseln (rot) (1 Kästchen = 1 km²) (Quelle: Geobasisdaten © Bayerische Vermessungsverwaltung 2003)
Abb. 10: zwei Mittelspechte (Foto: Brönner)

Für die Kompensation des Eingriffs am Bauersberg wurden Flächen im näheren Umkreis bestimmt, in denen es möglich ist, die Population des Mittelspechts zu stärken. Die festgelegten Maßnahmen dafür finden auf einer 10 ha großen Fläche in einem Wald der Gemeinde Sondheim v. d. Rhön statt, auf der bereits Mittelspechte nachgewiesen wurden (Abb. 9 und 10). Die Stärkung der Population wird durch das Anlegen von fünf Totholzinseln („kleine Naturwaldreservate“, je 40 x 40 m) und die Sicherung von 250 Alteichen gewährleistet. Dafür wurde mit der Gemeinde Sondheim vertraglich geregelt, dass für die nächsten 60 Jahre innerhalb der Totholzinseln abgestorbene Bäume nicht entfernt werden und für dieselbe Dauer mindestens 250 Alteichen mit einem Brustdurchmesser von 50 cm vorhanden sind. Durch das erhöhte Angebot an Nahrung in den Totholzinseln können sich in diesem Jagdhabitat vermehrt Mittelspechte ansiedeln, wodurch die lokale Population in der bayerischen Rhön gestärkt wird. Der Nachweis soll durch ein Überwachungsprogramm (Monitoring) geführt werden, in dem regelmäßig die Anzahl der Mittelspechte erfasst wird und somit der Zuwachs dokumentiert werden kann.

Die Dauer der Maßnahme von 60 Jahren ist aufgrund der rund 40 Jahre Gewinnungsbetrieb am Bauersberg festgelegt, sodass sich nach Einstellung des Betriebs in einer 20 Jahre andauernden Rekultivierungsphase der Mittelspechtbestand auch im Bereich des Tagebaus Bauersberg wieder ausbilden kann.

Förderung von FFH-Lebensraumtypen und Arten

Die FFH-Lebensraumtypen wie Berg-Goldhaferwiese und Trespen-Trockenrasen sowie Arten wie Neuntöter (Lanius collurio), Raubwürger (Lanius excubitor) und Thymian-Ameisenbläuling (Glaucopsyche arion) werden im Rahmen des naturschutzfachlichen Konzepts durch verschiedene Maßnahmen ganz besonders gefördert.

Abb. 11: links: geplante Maßnahme zur Erweiterung einer Hutungsfläche (grün) zum weiteren Artenaustausch aus der Planung, Genehmigungsgrenze (rot); rechts: bereits bestehende Hutungsfläche mit angrenzender Waldfläche in Natur (Foto: Beil)

Vom Abbau wird ein Verbindungskorridor mit mageren Wiesenflächen zwischen einer Unteren und Oberen Hutungsfläche frei gehalten. Der Korridor ermöglicht den weiteren Artenaustausch, von dem z. B. Schmetterlinge wie der Thymian-Ameisenbläuling sowie die Kreuzotter (Vipera berus) profitieren. Die Obere Hut wird erweitert. Ein Fichtenstreifen am Rand wird gerodet und soll sich durch natürliche Sukzession zur Magerweide entwickeln (Abb. 11). Darüber hinaus tragen weitere Maßnahmen zur Stärkung der FFH-Lebensraumtypen und Arten bei, z. B. die Auflichtung zweier Hutungsflächen oder die Entbuschung einer Wiese. Perspektivisch kommt dem Raubwürger die Entwicklung der Abraumböschungen zu Magerlandwiesen und Offenlandhabitaten zugute.

Waldnutzungsverzicht durch Einrichtung des Natur­waldreservats Stengerts

Im Juli 2011 wurde der ehemalige Basalttagebau Stengerts am südlichen Holzberg durch den Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Helmut Brunner als Naturwaldreservat ausgewiesen. Für eine Fläche von ca. 28 ha gilt ein Verzicht auf Holzeinschlag, sodass sich hier ein Urwald ausbilden kann. Der Totholzanteil wird sich dadurch nochmals deutlich erhöhen und damit auch die Vielfalt an Insekten als Lebensgrundlage für Spechte und Bechstein-, Mops- und Zwergfledermaus. 

Abb. 12: Waldmeister-Buchenwald auf sogenanntem Blockmeer (Foto: Beil)

Der durch den Eingriff am Bauersberg betroffene FFH-Lebensraumtyp Waldmeister-Buchenwald wird durch die Ausweisung des Naturwaldreservats Stengerts mit Sicherungs- und Entwicklungsmaßnahmen flächen- und mindestens wertgleich kompensiert. Der naturnahe Hangwald zeichnet sich durch das Nebeneinander von Buchenwäldern auf geringmächtigen Böden bis hin zu schwachwüchsigeren Beständen auf Basalt-Blockhalden aus (Abb. 12). Wo diesen anspruchsvolleren Waldbodenpflanzen ausreichend Boden zur Verfügung steht, prägen Zahnwurz (Cardamine bulbifera), Waldmeister (Galium odoratum), Buschwindröschen (Anemone nemorosa), Bingelkraut (Mercurialis perennis) und Perlgras (Melica uniflora) die Krautschicht. In den sogenannten Blockmeer-Bereichen sind neben der dominierenden Rotbuche (Fagus sylvatica) u. a. Eschen (Fraxinus), Bergahorn (Acer pseudoplatanus), Bergulme (Ulmus glabra), Winterlinde (Tilia cordata), Vogel- (Sorbus aucuparia) und Mehlbeere (Sorbus aria) beigemischt. Die Wuchsfreude der Bäume lässt dort deutlich nach, mehrstämmige oder drehwüchsige Baumexemplare treten gehäuft auf. Teilweise lichtet sich der Wald zu offenen, moos- und flechtenreichen Blockhalden.

Fazit

Mit der Sicherung der Rohstoffgewinnung für die nächsten Jahrzehnte im Basalttagebau Bischofs-heim bleibt die Tradition des Bergbaus inklusive der Wirtschaftskraft im Bereich der Rhön erhalten. Das Vorhaben konnte dank intensiver Zusammenarbeit zwischen der Basalt-Actien-Gesellschaft, den Behörden und den Verbänden realisiert werden. Am Ende wurde ein für alle Seiten zufriedenstellendes nachhaltiges Konzept erarbeitet, sodass sowohl die Rohstoffsicherung als auch der Naturschutz als Gewinner aus diesem Gemeinschaftsprojekt hervorgehen.

Die Autoren

Christian Papelitzky, 
M. Sc. 

Geboren am 06.03.1984 in Starnberg; 2004 – 2009 Studium der Ingenieur- und Hydrogeologie am Lehrstuhl für Ingenieurgeologie der Technischen Universität München. 2009 Eintritt in die Basalt-Actien-Gesellschaft, Hartsteinwerke Bayern-Mitteldeutschland, Abteilung Bergbauplanung in St. Gangloff.

Martin Beil,
Dipl.-Ing.

Geboren am 15.06.1962 in Würzburg; 1982 – 1988 Studium der Landschaftsarchitektur an der Technischen Universität München-Weihenstephan. Partnerschaft im Büro Dietz und Partner in Elfershausen-Engenthal, seit 1994 mit landschaftsplanerischem Schwerpunkt, seit 2010 Eintrag als Stadtplaner.

Standort

Literatur

BASALT-ACTIEN-GESELLSCHAFT (2009): Antrag auf Erteilung einer Änderungsgenehmigung nach § 16 BImSchG – Erweiterung des Basaltsteinbruchs Bischofsheim 2 „Bauersberg“, 15.12.2009. Hartsteinwerke Bayern-Thüringen.

CASPARI, T. (1999): Die anthropogene Beeinträchtigung des Basalt-Blockmeeres am Bauersberg bei Bischofsheim a. d. Rhön (Landkreis Rhön-Grabfeld) und deren Auswirkungen auf Standort und Biozönose. In: Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Würzburg, Band 39/40, S. 21 – 72.

HACKER, H. (2006): Zarte Steine, harte Kerle. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Aspekte der Basaltgewinnung und Basaltverarbeitung auf der Hohen Rhön. – In: HEIMRATH, R. et al. (2006): echt, stark! Naturstein im ländlichen Bayern. Zweckverband Niederbayerisches Freilichtmuseum, Finsterau.

HANNS, F. (2002): Heimat und Jahrbuch des Landkreises Rhön-Grabfeld. Heft 24, S. 25 – 26; Mellrichstadt.

KAESLITZ, M. (2009): Nördliche Rhön – Steile Wände und offene Fernen. Quelle & Meyer, Wiebelsheim.

NÜDLING, H.-D. (1993): 100 Jahre Franz Carl Nüdling – Vom Steinbruch zum Industriebetrieb. Ludwig Fleischmann, Fulda.

NÜDLING, H.-D. (2006): Rhönbasalt – Erschließung, Abbau, Geotope. Parzeller, Fulda.